Eine Chronik, die weit mehr ist als eine Sammlung von Daten: Sie hält Momente fest, die das Weyergut Bethanien geprägt haben – von den frühen Ideen bis zu dem Ort, der heute so vielen Menschen ein Zuhause bietet.
Für unser 50-jähriges Jubiläum gewährte uns die Autorin und Bewohnerin Monika Schärer Einblicke in ihre Beweggründe, die Entstehung ihres Werkes und ihre besondere Verbundenheit zum Weyergut Bethanien und zur Landschaft, die das Haus umgibt.
Interview mit Monika Schärer
Vom Ferienaufenthalt zum Daheim – Erinnerungen an den Start im Weyergut Bethanien
Frau Schärer, Sie sind 2020 ins Weyergut Bethanien eingezogen. Wie haben Sie Ihren Start hier erlebt?
Im Frühling 2020 – mitten in der Coronazeit – wurde bei mir eine seltene, schwere Rückenkrankheit behandelt. Nach dem Spitalaufenthalt fühlte ich mich noch nicht bereit, in meine Wohnung zurückzukehren, und kam zunächst als Feriengast ins Weyergut.
Ich kannte das Haus bereits von Spaziergängen und wusste von Bekannten, dass ihre Angehörigen sich hier wohlgefühlt hatten. Am Eintrittstag wurde ich liebevoll empfangen und sorgfältig begleitet – dieses Willkommen hat mir den Start sehr erleichtert.
Nach einigen Wochen entschied ich mich, zu bleiben. Trotz körperlicher Einschränkungen merkte ich schnell, dass mir hier vieles möglich bleibt: Lesen, Schreiben, Musik – sogar mein E-Klavier und meine vielen Bücher haben Platz gefunden. Seit dem Sommer 2020 ist das Weyergut mein Daheim, und ich habe diese Entscheidung nie bereut.
Welche Veränderungen haben Sie seit Ihrem Einzug besonders wahrgenommen?
Die zweijährige Innensanierung war gerade abgeschlossen, als ich einzog – vieles war neu, manches noch im Wandel. Seither erlebe ich ein Haus, das sich stetig weiterentwickelt und in dem die Gemeinschaft trotz aller Veränderungen spürbar bleibt und weiter wächst.
Ein Herz für Biodiversität – Engagement für Natur und Lebensräume
Sie engagieren sich leidenschaftlich für die Natur, insbesondere für Insekten. Wie kam es dazu?
Wiederum auf Spaziergängen rund ums Haus entdeckte ich zwei Gartenbereiche: den gepflegten Blumenbereich und das „wilde“ Stück Garten, das nur einmal jährlich gemäht wird. Dort erkannte ich grosses Potenzial für Biodiversität.
Ich schenkte dem Haus ein grosses Wildbienenhaus, gefertigt von Menschen mit einer Beeinträchtigung, das schon bald lebendig bewohnt wurde. Aus Ästen, Steinen, Laub und Sand baute ich weitere Kleinstrukturen als Rückzugsorte für Kleintiere. Auf Infotafeln erklärte ich, wie man solche Lebensräume fördern kann – und kam darüber oft mit Menschen ins Gespräch. Einige liessen sich inspirieren und setzten ähnliche Ideen in ihren eigenen Gärten um.
Auch der Weiher im Park spielt eine wichtige Rolle für Sie. Was bedeutet er Ihnen?
Ein Gewässer schafft zusätzliche Vielfalt. Unser Weiher war allerdings gekippt und beinahe verlandet. Mit Unterstützung des Umweltforums Köniz konnte er 2025 erneuert werden. Schon kurze Zeit später kehrten Bergmolche, Libellen, Käfer und Vögel zurück.
Heute ist der Weiher, liebevoll „Weyer“ genannt, ein Ruhe- und Kraftort – für Bewohnende, Angehörige und Nachbarn. Für mich ist er ein Ort der Beobachtung und der Freude, dessen Entwicklung ich weiterverfolgen möchte.
Die Chronik – Entstehung, Motivation und Erkenntnisse
Was hat Sie dazu inspiriert, eine Chronik über das Weyergut Bethanien zu verfassen?
Nach meinem Einsatz für die Neubelebung des Weihers fragte ich mich, ob zwischen dem „Weiher“ und dem Namen „Weyergut“ ein Zusammenhang besteht. In den Wintermonaten entstand daraus das Bedürfnis, vertiefter in die Geschichte einzutauchen.
Wie sind Sie dabei vorgegangen?
Ich wandte mich an verschiedene Archive – Köniz, Burgerbibliothek Bern, das Archiv des Weyergut Bethanien sowie an historische Literatur. Daraus entstand ein Zeitgerüst, das beinahe 300 Jahre umfasst.
Für die jüngeren Zeitabschnitte ab 2013 gab es kaum schriftliche Quellen. Deshalb begann ich, Menschen zu interviewen, die dem Weyergut lange verbunden sind. So entstanden lebendige Beiträge – und zugleich ein spürbares Interesse und neue Gespräche im Haus.
Welche Erkenntnisse haben Sie besonders überrascht oder berührt?
Ich stellte fest, dass unser heutiger Weiher keinen direkten historischen Bezug zum Namen „Weyergut“ hat: Er wurde im Jahr 2000 anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums angelegt. Dass er nun, 25 Jahre später, rechtzeitig vor dem 50-Jahr-Jubiläum erneuert wurde, empfand ich als stimmiges Bild.
Die Herkunft des Namens „Weyergut“ hingegen ist eng mit dem stark wassergeprägten Gebiet rund um den Gurten verbunden. Zahlreiche Quellen, Brunnen und frühere Naturweiher erzählen von einer Geschichte, die tief im Ort verwurzelt ist.
Wie lange dauerte der Entstehungsprozess?
Intensiv arbeitete ich ab Sommer 2024 an der Chronik. Im April 2025 konnte ich erstmals eine gedrucke Chronik in den Händen halten. Die 100 bestellten Exemplare fanden rasch ihren Weg zu vielen interessierten Leserinnen und Lesern.
Zum Jubiläum – Gedanken zu 50 Jahren Weyergut Bethanien
Welche Gefühle begleiten Sie, wenn Sie auf die 50-jährige Geschichte unseres Hauses blicken?
Ich empfinde grosse Hochachtung gegenüber all jenen Menschen, die das Weyergut Bethanien über Jahrzehnte hinweg möglich gemacht haben und es bis heute mit viel Engagement, Mut und Ausdauer tragen. Auch gerade die Unterstützung durch die EMK Bern (Evangelisch-methodistische Kirche Bern) hat es immer wieder ermöglicht, Hürden zu überwinden.
Was wünschen Sie dem Weyergut Bethanien für die kommenden Jahre?
Meine Hoffnung für die Zukunft ist, dass die gelebte Toleranz, Geduld und das Einfühlungsvermögen im Weyergut weiterhin gedeihen. Möge das Haus ein Ort bleiben, an dem Mitarbeitende mit Freude tätig sind und Bewohnende ein wertschätzendes, wohltuendes Umfeld erleben.
Mehr über die Autorin
- geboren zur Zeit des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs
- aufgewachsen in Bern in einer Lehrersfamilie
- Lehrerin in den Buchsibergen (Oschwand)
- Psychologiestudium an der Universität Bern
- rund 30 Jahre als Jugendpsychologin im Kanton Bern tätig
- 13 Jahre Freiwilligendienst im Altersheim Rüttihubelbad
- seit Sommer 2020 Bewohnerin des Weyergut Bethanien
Die Chronik herunterladen
Mit freundlicher Genehmigung von Frau Monika Schärer stellen wir ihre Chronik zum Jubiläum als PDF zur Verfügung. Alle Rechte am Werk verbleiben bei der Autorin.
👉 Download der Weyergut-Chronik
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