Therese Seiler und Ruedi Wuffli haben das Weyergut Bethanien über Jahrzehnte begleitet und mitgetragen – als Freiwillige, als EMK-Mitglieder, als Angehörige und als Menschen, die dem Haus bis heute verbunden sind. Im Gespräch erzählen sie von den Anfangsjahren, vom besonderen Geist des Weyerguts, von Veränderungen in Pflege und Alltag und von Momenten, die ihnen unvergesslich geblieben sind.
Therese Seiler ist die Schwiegertochter von Emil Seiler, Anwohner und Gründungsmitglied der Stiftung Altersheim Weyergut. Sie war fast 40 Jahre lang als IDEM-Freiwillige im Weyergut engagiert.
Ruedi Wuffli und seine Frau Trudi sind seit 1972 Mitglieder der Evangelisch-methodistischen Kirche. Beide waren viele Jahre als IDEM-Freiwillige im Weyergut tätig. Ruedi erlebte das Haus auch als Gemeinde- und Chormitglied aus nächster Nähe mit; Trudi Wuffli arbeitete zeitweise in der Hauswirtschaft des Weyerguts.
Die Wurzeln des Weyerguts reichen bis ins Jahr 1915 zurück. Damals entsandte das Mutterhaus der Diakonie Bethanien in Zürich auf Anfrage der Methodistengemeinden Diakonissen nach Bern, um eine private Krankenpflege aufzubauen. Aus diesem Engagement entwickelte sich über die Jahre der Wunsch nach einem eigenen Altersheim für die Region. Als das Haus an der Alpenstrasse zu klein wurde, entstand Ende der 1960er-Jahre – angestossen durch den Anwohner Emil Seiler – die Idee eines neuen Altersheims auf dem Weyergut-Areal in Wabern.
Gemeinsam mit der Diakonie Bethanien, der Gemeinde Köniz und dem Kanton Bern wurde das Projekt verwirklicht. Am 1. Februar 1976 wurde das Altersheim Weyergut feierlich eröffnet – mit Platz für 80 Bewohnende und dem Weyergutsaal als kulturellem und geistlichem Herzstück. Zunächst waren es vor allem EMK-Mitglieder, die hier ihre letzten Lebensjahre verbrachten. Doch schon bald genoss das Weyergut in der Umgebung einen guten Ruf und öffnete sich auch für Menschen aus der Region.
Von Beginn an war das Weyergut damit mehr als ein Altersheim: ein religiös geprägtes, persönlich geführtes Haus, tief verankert in Kirche, Gemeinde und gelebter Beziehungskultur.
12.02.2026: Das Interview führte Pia Volkers, Oberstufenlehrerin und ehrenamtliche IDEM- Mitarbeiterin zur Deutschförderung im Weyergut Bethanien
Das Personal ging jährlich auf einen Ausflug. An diesem Tag übernahmen Freiwillige Aufgaben im Weyergut. Ruedi, du hast dich damals dafür gemeldet …
Ruedi: Genau. So habe ich eigentlich meinen Zugang zum Weyergut bekommen. In dieser Zeit lernte ich viele Mitarbeitende und Bewohnende kennen. Damals traten die Menschen oft schon mit 70 oder 75 Jahren ins Altersheim ein.
Erzählt uns ein weinig von den Anfängen, gab es Herausforderungen, wie war die Stimmung?
Ruedi: Mir ist von Anfang an die Beleuchtung aufgefallen. Es waren Kugellampen, die an den Wänden hingen. Schon als ich das erste Mal mit meiner Frau durchs Heim ging, sagte ich zu ihr: «Es wird nicht lange dauern, bis keine Kugeln mehr an der Wand sind.» Und genau so kam es. Bereits die ersten Bewohnenden liefen dagegen. Die Beleuchtung musste also schon bald angepasst werden.
Therese: Viele kannten sich von der Gemeinde, vom Singen oder von der Mission. Man traf sich zum Beispiel im Garten. Es gab auch einen Vitaparcours. Damals lebten vor allem Frauen im Weyergut; ich erinnere mich, dass es deutlich weniger Männer waren.
Ruedi: Als Familie liebten wir das öffentliche Hallenbad im Weyergut. Für uns – besonders für unseren Sohn – war das ein Highlight. Viele Menschen aus der Umgebung merkten bald, dass man hier gegen ein kleines Entgelt baden konnte. Manchmal kamen die Bewohnenden als Zuschauende an die Fenster des Hallenbades und freuten sich am heiteren Treiben. Leider musste das Bad später schliessen, als gesetzlich eine Badeaufsicht vorgeschrieben wurde. Das wäre schlicht zu teuer geworden.
Was unterschied das Weyergut damals von anderen Heimen in der Umgebung?
Therese: Was das Weyergut von anderen Heimen unterschied, war sicher sein Ursprung und die starke Verbindung zur Evangelisch-methodistischen Kirche. Das Haus war nicht einfach eine Institution, sondern aus einem kirchlich und gemeinnützig getragenen Anliegen heraus entstanden. Auch Menschen, die noch nicht im Heim lebten, fühlten sich mit dem Weyergut verbunden und interessierten sich für seine Entwicklung.
Ruedi: Besonders war auch, dass die Kirche im Alltag sichtbar und präsent blieb. Die Gottesdienste wurden nicht nur von Bewohnenden besucht, sondern auch von Nachbarinnen und Nachbarn aus der Umgebung. Viele wussten: Am Sonntagmorgen kann man ins Weyergut kommen. Diese Offenheit ins Quartier hinein prägte das Haus stark. So entstand eine besondere Mischung aus Heim, kirchlichem Begegnungsort und sozialer Institution. Im Vergleich zu anderen Heimen war das Weyergut dadurch persönlicher, stärker in der Gemeinde verankert und von Anfang an von einem gemeinschaftlichen Geist getragen.
In 50 Jahren Weyergut hat sich vieles verändert. Was ist euch besonders aufgefallen – in der Pflege, in der Zusammenarbeit oder im Alltag?
Therese: Ich habe das Weyergut immer mit grossem Interesse begleitet und vieles gerne mitverfolgt und unterstützt. Besonders aufgefallen ist mir, dass die Menschen früher deutlich jünger ins Altersheim eintraten. Im Verlauf der Jahre hat sich das stark verändert. Heute kommen viele erst in höherem Alter und mit deutlich grösserem Pflegebedarf ins Heim. Auch Demenzerkrankungen rückten stärker in den Fokus.
Das Weyergut war ursprünglich nicht für diese Entwicklung gebaut worden. Es war ein Altersheim – kein Pflegeheim im heutigen Sinn. Wenn Bewohnende früher mehr Pflege brauchten, mussten sie oft ins Spital verlegt werden. Mit der Zeit entstanden deshalb neue Strukturen im Haus, unter anderem eine geschützte Demenzabteilung und mehr pflegerische Angebote direkt vor Ort.
Durch meine Schwiegermutter habe ich diese Entwicklung auch persönlich miterlebt. Sie kam mit 75 Jahren als Pensionärin ins Weyergut, lebte sieben Jahre hier und starb 1992. Dadurch kann ich gut nachempfinden, wie das Leben im Weyergut damals war.
Ruedi: Auch die kantonalen Vorgaben haben den Alltag stark verändert. In der Pflege wurde vieles verbindlicher, geregelter und administrativ anspruchsvoller. Diese Veränderungen habe ich besonders wahrgenommen, weil ich immer wieder angefragt wurde, bei personellen Engpässen auszuhelfen. Meine Frau arbeitete zudem in der Wäscherei. Dadurch blieben wir beide nahe am Alltag des Hauses und bekamen viel mit.
So konnten wir miterleben, wie stark sich Anforderungen, Pflegebedarf und Rahmenbedingungen über die Jahre verändert haben. Auch die Übernahme durch die Diakonie Bethanien bedeutete aus meiner Sicht einen spürbaren Einschnitt. Einige Abläufe gingen fortan stärker über Zürich, was bei vielen Methodisten in Bern Fragen auslöste. Früher war die Zusammenarbeit mit der Kirche enger und unmittelbarer. Heute ist die Verantwortung anders organisiert – auch das hat das Weyergut verändert.
Gab es weitere Entwicklungen, die für euch einen Wendepunkt bedeuteten?
Therese: Ein grosser Wandel zeigt sich sicher in den Räumen. Die Zimmer sind heute grösser, und die Ansprüche haben sich verändert. Vor 50 Jahren ging es auch darum, möglichst vielen Menschen einen Platz zu bieten. Heute wünschen sich die Menschen mehr Raum, mehr Privatsphäre und selbstverständlich auch eigene Nasszellen mit Dusche. Das Bedürfnis nach Komfort, Hygiene und Rückzug ist deutlich gewachsen.
Ruedi: Was im Weyergut immer besonders geschätzt wurde: Die Bewohnenden konnten viele eigene Möbel mitbringen. Das war damals nicht in allen Heimen üblich. Ein Lieblingsbuffet, ein vertrauter Stuhl oder ein eigener Tisch machten viel aus. So entstand nicht einfach ein Zimmer, sondern ein Stück Zuhause. Das habe ich auch bei meiner Schwiegermutter erlebt. Sie brauchte sehr schnell einen Platz im Weyergut. Während sie noch im Spital war, richteten wir ihr Zimmer mit vertrauten Möbeln ein. Als sie später ins Zimmer kam, sagte sie: «Das ist ja wie zu Hause.» Dieser Satz hat mich sehr berührt. Er zeigt, wie wichtig vertraute Dinge sind – gerade dann, wenn ein Mensch in einen neuen Lebensabschnitt eintritt.
Therese: Das Weyergut sollte nicht einfach ein Heim sein, sondern ein Daheim. Ich glaube, genau das machte es aus – und macht es bis heute aus. Dass das Weyergut diesen Gedanken nun mit dem Leitsatz «Wir sind Ihr Daheim» aufgreift, bringt diese Haltung sehr schön auf den Punkt.
Gibt es Menschen oder Momente, an die ihr euch besonders gerne erinnern?
Therese: Ich erinnere mich sehr gerne an die Personalausflüge, bei denen ich mithelfen durfte. Für mich war das jedes Mal streng, aber auch sehr erfüllend. Man hatte an solchen Tagen nochmals anders Zeit für die Bewohnenden – konnte mit ihnen spielen, sich zu ihnen setzen, mit ihnen sprechen oder einfach da sein. Nach dem Tod meines Mannes begann ich regelmässig in der Ergotherapie mitzuhelfen. Ich nahm jeweils meinen jungen Hund mit, was den Bewohnenden unglaublich viel Freude machte. Für mich war das eine sehr wertvolle Zeit: wieder ins Weyergut zurückzukehren, etwas beitragen zu können und etwas Sinnvolles zu tun.
Ruedi: In diesem Zusammenhang muss man auch an Esther und Rolf Bayer denken. Sie haben das Weyergut mit grosser Verantwortung, viel Herz und einem feinen Gespür für Menschen geprägt. Gerade diese Nähe war etwas Besonderes am Weyergut. Viele Beziehungen waren über Jahre gewachsen – durch die Kirche, durch das Quartier oder durch frühere Begegnungen.
Therese: Ich denke besonders gerne an die Weihnachtsfeiern im Weyergut zurück. Sie waren jedes Jahr sehr eindrücklich und liebevoll gestaltet. Auch wir durften als Teil der Heimkommission oder des Stiftungsrats daran teilnehmen und fühlten uns als Teil der grossen Weyergut-Gemeinschaft. Die Feier begann jeweils in der Kapelle, oft begleitet vom Chörli, mit Gottesdienst und Weihnachtsbaum. Danach ging es in den festlich gedeckten Speisesaal. Man spürte, wie viel Herzblut Esther und Rolf Bayer in diese Anlässe legten – für die Bewohnenden, die Angehörigen, die Mitarbeitenden und die Gremien. Es war einfach Weihnachten. Einfach der weihnachtliche Zauber. Das ist unvergesslich.
Ruedi: Für mich bleibt der Samichlaus-Tag unvergesslich. Esther und Rolf Bayer machten daraus jedes Jahr etwas Besonderes. Die Bewohnenden wurden so in der Cafeteria platziert, dass alle gut sehen konnten, wenn ich als Samichlaus mit dem Esel vom Tierpark Bern hereinkam. Das war für die Bewohnenden ein grosses Erlebnis – und für mich auch. Mit dem Esel gab es einmal eine Anekdote, die im Haus noch lange weitererzählt wurde. Der Esel Aschi wurde jeweils von Mitarbeitenden des Tierparks begleitet. Doch an einem Samichlaus-Tag merkte ich plötzlich: Jetzt wird es heikel. Ich habe direkt gehört, da kommt etwas raus. Und der Esel hat sich ein wenig umgeschaut, dann hat er sich gedreht, den Schwanz gehoben und war mit dem «Füdli» gerade schön über dem Schoss einer Bewohnerin. Und dann macht er Bumm! Seine ganzen Mistkugeln sind der guten Frau auf den Schoss gefallen.
Im ersten Moment war mir das natürlich furchtbar peinlich. Esther Bayer reagierte sofort, holte Schaufel und Lappen, und der Tierpark entschuldigte sich. Die Situation liess mich aber nicht los. Deshalb schrieb ich später im Namen von Esel Aschi einen Entschuldigungsbrief zu Weihnachten. Dieser Brief bereitete vielen grosse Freude und wurde sogar in der Weyergut-Chronik der Autorin und Weyergut-Bewohnerin Monika Schärer abgedruckt. So wurde aus einem peinlichen Moment am Ende doch eine Geschichte, über die man im Weyergut noch lange schmunzelte.Theres: Ich denke besonders gerne an die Weihnachtsfeiern im Weyergut zurück. Sie waren jedes Jahr sehr eindrücklich und liebevoll gestaltet. Auch wir durften als Teil der Heimkommission oder des Stiftungsrats daran teilnehmen und fühlten uns als Teil der grossen Weyergut-Gemeinschaft. Die Feier begann jeweils in der Kapelle, oft begleitet vom Chörli, mit Gottesdienst und Weihnachtsbaum. Danach ging es in den festlich gedeckten Speisesaal. Man spürte, wie viel Herzblut Esther und Rolf Bayer in diese Anlässe legten – für die Bewohnenden, die Angehörigen, die Mitarbeitenden und die Gremien. Es war einfach Weihnachten. Einfach der weihnachtliche Zauber. Das ist unvergesslich.
Ruedi: Für mich bleibt der Samichlaus-Tag unvergesslich. Esther und Rolf Bayer machten daraus jedes Jahr etwas Besonderes. Die Bewohnenden wurden so in der Cafeteria platziert, dass alle gut sehen konnten, wenn ich als Samichlaus mit dem Esel vom Tierpark Bern hereinkam. Das war für die Bewohnenden ein grosses Erlebnis – und für mich auch. Mit dem Esel gab es einmal eine Anekdote, die im Haus noch lange weitererzählt wurde. Der Esel Aschi wurde jeweils von Mitarbeitenden des Tierparks begleitet. Doch an einem Samichlaus-Tag merkte ich plötzlich: Jetzt wird es heikel. Ich habe direkt gehört, da kommt etwas raus. Und der Esel hat sich ein wenig umgeschaut, dann hat er sich gedreht, den Schwanz gehoben und war mit dem «Füdli» gerade schön über dem Schoss einer Bewohnerin. Und dann macht er Bumm! Seine ganzen Mistkugeln sind der guten Frau auf den Schoss gefallen.
Im ersten Moment war mir das natürlich furchtbar peinlich. Esther Bayer reagierte sofort, holte Schaufel und Lappen, und der Tierpark entschuldigte sich. Die Situation liess mich aber nicht los. Deshalb schrieb ich später im Namen von Esel Aschi einen Entschuldigungsbrief zu Weihnachten. Dieser Brief bereitete vielen grosse Freude und wurde sogar in der Weyergut-Chronik der Autorin und Weyergut-Bewohnerin Monika Schärer abgedruckt. So wurde aus einem peinlichen Moment am Ende doch eine Geschichte, über die man im Weyergut noch lange schmunzelte.
Wir danken Therese Seiler und Ruedi Wuffli herzlich für das Gespräch und allen ehemaligen Mitarbeitenden, Freiwilligen und Weyergut-Verbundenen für ihre Geschichten und Erinnerungen. Sie lassen die 50-jährige Geschichte des Weyerguts auf persönliche und lebendige Weise nochmals aufleben.
