Seit über zwölf Jahren begleitet die diplomierte Physiotherapeutin Annica Larsson mit ihrem Team die Bewohnenden des Weyergut Bethanien. Zudem führt sie ihre eigene Physiotherapiepraxis. Im Interview spricht sie über die Freude an der Bewegung, die besondere Zusammenarbeit im Haus und darüber, weshalb sie sich im Weyergut bis heute wie in einer grossen Familie fühlt.
10.05.2026: Das Interview führte Jürg Schmid, Leiter Administration Weyergut Bethanien. Jürg Schmid kennt
Frau Larsson seit vielen Jahren und ist deshalb mit ihr per Du.
Annica, erinnerst du dich noch an deine ersten Einsätze im Weyergut?
Ja, sehr gut sogar. Was mir bis heute geblieben ist, ist die herzliche Art, wie ich und meine Mitarbeitenden hier empfangen wurden. Ich fühlte mich sofort willkommen und wertgeschätzt. Dieses Gefühl hat sich über all die Jahre gehalten. Manchmal kommt es mir vor wie eine grosse Familie – und genau das gefällt mir so gut.
Wie kam es eigentlich dazu, dass du die physiotherapeutische Betreuung im Weyergut übernommen hast?
Meine Mama führte viele Jahre unsere Physiotherapiepraxis Larsson in Bümpliz. Schon damals betreute die Praxis verschiedene Altersheime. Sie fragte eines Tages nach, ob im Weyergut eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut gebraucht werde. So ist dann das Ganze ins Rollen gekommen. Ich darf ich hier eine Arbeit weiterführen, die bereits eine Generation vor mir begonnen hat.
Warum bist du über all die Jahre bei uns geblieben – sogar während der Umbauzeit in Grosshöchstetten?
Wir verbringen einen grossen Teil unseres Lebens bei der Arbeit. Deshalb ist es mir wichtig, in einem Umfeld tätig zu sein, das gut organisiert ist und in dem man sich gleichzeitig respektvoll und wohlwollend begegnet. Genau das erlebe ich hier. Dieses Miteinander macht die Zusammenarbeit für mich und mein Team besonders schön.
Wie würdest du die Zusammenarbeit mit den Bewohnenden und dem Team beschreiben?
Ich empfinde den Austausch mit den Bewohnenden, der Pflege und dem gesamten Team als sehr intensiv und bereichernd. Was für mich in der Arbeit mit euch heraussticht, ist die Zeit, die man sich für jeden einzelnen Menschen nimmt. Wenn eine Bewohnerin oder ein Bewohner ein Anliegen hat, nehme ich das oft mit und leite es an die Pflege weiter. Dabei verstehe ich mich nicht nur als Physiotherapeutin, sondern auch als Ansprechperson.
Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Informationen fliessen, die Familien werden einbezogen. Ihr an der Rezeption koordiniert und strukturiert unglaublich viel im Hintergrund. Das ist für mich ein wichtiger Faktor, damit die Arbeit als Physiotherapeutin im Altersheim überhaupt so gut funktionieren kann.
Was ist aus deiner Sicht in der physiotherapeutischen Arbeit mit älteren Menschen besonders wichtig?
Zuoberst steht sicher die Freude an der Bewegung. Und diese Freude kann man in jedem Alter neu entdecken. Ich versuche in meinen Therapien, die älteren Menschen anzuleiten und sie zu instruieren, dass Bewegung nicht schmerzhaft sein muss, sondern Freude bereiten darf. Bewegung wirkt nicht nur auf Muskeln und Gelenke. Sie löst im Körper viele positive Prozesse aus – auch hormonell – und kann sich dadurch auf das Wohlbefinden und die Stimmung auswirken.
Welche Fortschritte bereiten dir im Alltag am meisten Freude?
Oft sind es die kleinen Momente. Natürlich freue ich mich auch über therapeutische Fortschritte. Am meisten berührt es mich aber, wenn mir am Ende einer Therapie jemand ins Gesicht schaut, lächelt und sagt: «Frau Larsson, vielen Dank. Das hat mir jetzt richtig gutgetan.»
Was schätzt du besonders am Weyergut Bethanien?
Ich könnte mir vorstellen, selbst einmal hier zu wohnen. Jeder Mensch wird als Individuum wahrgenommen. Es ist keine «Massenabfertigung», sondern eine familiäre Atmosphäre. Es wird unglaublich viel für die Bewohnenden gemacht – sei es im Alltag oder bei besonderen Anlässen und Konzerten. Ich finde es superschön, dass die Menschen auf diese Weise teilhaben können.
Gibt es aus den vergangenen zwölf Jahren etwas, worauf du besonders stolz bist?
Sicher, dass wir immer noch hierherkommen dürfen. Das ist mein grösster Stolz. Es ist eine langfristige Sache und ich hoffe fest, dass das weiterhin so bleibt. Wenn Herausforderungen auftreten – sei es organisatorisch oder im Umgang mit einzelnen Situationen – suchen wir gemeinsam nach Lösungen.
Was möchtest du den Bewohnenden, den Mitarbeitenden und den Leserinnen und Lesern mit auf den Weg geben?
Die Lebenserfahrung älterer Menschen ist ein grosser Schatz. Wenn wir ihnen zuhören und ihnen mit Respekt begegnen, erkennen wir oft erst, was das Leben alles bereithält.
Ich bin überzeugt, dass Zusammenarbeit dort am besten gelingt, wo Generationen voneinander lernen und einander mit Wertschätzung begegnen.
Seit vielen Jahren dürfen wir auf die Unterstützung von Annica Larsson und ihrem Team zählen. Die offene Zusammenarbeit, das gegenseitige Vertrauen und ihr Einsatz für die Bewohnenden schätzen wir sehr. Dafür danken wir ihr herzlich und freuen uns auf die weitere gemeinsame Zusammenarbeit.
