Biodiversität im Weyergut Bethanien
Biodiversität ist mehr als ein Schlagwort – sie bildet die Grundlage stabiler Ökosysteme, auch im Siedlungsraum. Dass selbst kleinere Grünflächen einen wertvollen Beitrag leisten können, zeigen auch Erkenntnisse der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz: Entscheidend sind nicht nur grosse Naturschutzgebiete, sondern vor allem vernetzte, vielfältige Lebensräume – genau hier setzt das Weyergut Bethanien an.
Vielfalt direkt vor der Haustür
Im Mai 2024 trafen sich 25 Interessierte gemeinsam mit dem Umweltforum Köniz und Pro Natura Bern, um die Natur rund um das Alters- und Pflegeheim Weyergut Bethanien genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei wurde sichtbar, wie viel bereits vorhanden ist – oft auf den zweiten Blick.
Ein Beispiel ist die Wiese im östlichen Teil des Areals: Sie wird bewusst nur einmal jährlich gemäht. Was zunächst «unordentlich» wirkt, ist ökologisch wertvoll. Wildblumen können aussamen, Insekten finden Nahrung, und Kleintiere erhalten Schutzräume. Studien zeigen, dass naturnah gepflegte Wiesen zu den artenreichsten Lebensräumen Europas gehören.
Kleine Strukturen, grosse Wirkung
Biodiversität entsteht oft im Detail. Asthaufen, Steinhaufen oder unaufgeräumte Ecken sind im Weyergut Bethanien keine Zufälle – sondern gezielte Lebensräume.


- Asthaufen bieten Unterschlupf für Blindschleichen, Wiesel, Spinnen und Insekten
- Steinhaufen werden von Käfern und Spinnen besiedelt
- Dichte Strukturen helfen Vögeln wie dem Zaunkönig beim Nisten
Solche Mikrohabitate gelten laut aktuellen ökologischen Erkenntnissen als entscheidend für die Artenvielfalt – gerade in urban geprägten Räumen.
Ein Zuhause für gefiederte Gäste
Auch für Vögel wurde mitgedacht: Unterschiedliche Nisthilfen mit variierenden Lochgrössen schaffen gezielt Lebensraum für verschiedene Arten wie Stare, Kohlmeisen, Kleiber, Spatzen oder Blaumeisen. Ergänzt werden sie durch sogenannte Rindentaschen – ein ideales Zuhause für Baumläufer.
Diese Nisthilfen erfüllen gleich mehrere Funktionen: Sie bieten Schutz während der Brutzeit und dienen bei schlechtem Wetter als Rückzugsort.



Summen, Krabbeln, Bestäuben
Insekten spielen eine Schlüsselrolle im Ökosystem – und doch sind viele Arten bedroht. Im Weyergut Bethanien wurde deshalb ein Wildbienenhaus geschaffen. Es bietet nicht nur Wildbienen, sondern auch Marienkäfern, Ohrwürmern sowie weiteren Insekten und Spinnen einen geeigneten Lebensraum.
Gerade Wildbienen sind für die Bestäubung unverzichtbar. Laut dem Bundesamt für Umwelt sind rund ein Drittel unserer Nahrungsmittel direkt oder indirekt von Bestäubern abhängig.



Der Weiher kehrt zurück
Der Anlass im Mai 2024 gab zudem den Anstoss für ein weiteres Projekt. Dabei wurde ein beinahe verschwundener Weiher auf dem Gelände entdeckt. Schnell war klar: Zum Weyergut gehört ein „Weyer“ (Newseitrag)
Dank dem Engagement unserer Bewohnerin Frau Schärer, der Heimleitung sowie der Unterstützung des Umweltforums Köniz und weiterer Beteiligter wurde das Projekt umgesetzt. Die Grube wurde freigelegt, neu foliert und mit Kies befestigt. Mit dem Regen füllte sich der Weiher wieder.
Solche Kleingewässer zählen zu den artenreichsten Lebensräumen überhaupt. Sie bieten Amphibien, Insekten und Pflanzen ideale Bedingungen – und schaffen gleichzeitig einen Ort der Ruhe und Beobachtung. So ist im Weyergut Bethanien Schritt für Schritt ein vielfältiger Lebensraum entstanden – für Tiere, Pflanzen und die Menschen, die hier leben und arbeiten.
Biodiversität ist Teil unseres Alltags. Und vielleicht entstehen schon bald weitere kleine Oasen, die zum Entdecken, Beobachten und Staunen einladen.





Weiterführende Links:
Newsbeitrag: Das Weyergut erhält einen Weyer
Blogbeitrag: Einblicke in die Vielfalt der Natur
Interview mit Frau Monika Schärer: Chronik und Biodiversität
Natura: Die Biodiversität der Schweiz schwindet
Mission B: Gemeinsam für mehr Biodiversität
Akademie der Naturwissenschaft: Biodiversität verstehen und gestalten
Bundesamt für Umwelt: Biodiversität
