Ein Ort voller Erinnerungen – dem Weyergut verbunden

Das Weyergut Bethanien ist für viele Menschen ein Ort voller Erinnerungen, Begegnungen und persönlicher Geschichten. Heidi Streiff, eine ehemalige Mitarbeiterin erzählt, wie sie das Haus schon 1979 kennenlernte, viele Jahre später zurückkehrte und ihm bis heute verbunden geblieben ist.

Hier blickt sie auf ihren Weg im und mit dem Weyergut Bethanien zurück
Es ist das Jahr 1979. Ich bin 27 Jahre alt, frisch verheiratet und Kindergärtnerin mit einigen Jahren Berufserfahrung im Kanton Zürich. Für die kommenden Jahre zieht es uns nach Bern, und so suche ich dort eine Arbeitsstelle. Doch die Berner wollen keine Zürcherin, die ihren Kindern den Berner Dialekt „verdirbt“.

Also halte ich Ausschau nach einer anderen beruflichen Möglichkeit – und werde fündig: Im Alters- und Pflegeheim Weyergut Bethanien in Wabern bei Bern erhalte ich eine Anstellung als Haustochter. Stolz halte ich meinen mit der Schreibmaschine aufgesetzten Arbeitsvertrag in den Händen. Meine Arbeitsgebiete sind vielfältig: Ich arbeite in der Waschküche beim „Mangeln“, im Service und im Putzdienst. Gerade dort erlebe ich manch lustige Situation. Bei einem freundlichen, sehr gesprächigen Herrn bin ich am Putzen, als er plötzlich sagt: „Weisst du, es wäre schön, wenn du das ganze Jahr hier arbeiten würdest und nicht nur in den Schulferien!“ (Mein Aussehen war damals tatsächlich noch sehr mädchenhaft).

Im Heim wird irgendwann bekannt, dass mein Mann – mit frisch abgeschlossenem Theologiestudium – hin und wieder Predigtdienst hat in der Kapelle nebenan. Eines Tages höre ich ein Gespräch einiger Bewohnerinnen mit, das mich bis heute schmunzeln lässt. Sie sitzen im Vorraum, während ich ihre Zimmer reinige, die Zimmertüre steht offen. Ich bin gerade damit beschäftigt, eine WC-Schüssel sauber zu bekommen, als eine Frau hörbar stolz sagt: „Wisst ihr, die Frau Pfarrer ist bei mir am Putzen!“. Nach gut einem Jahr kündige ich meine Stelle, da unser erstes Kind zur Welt kommt. Ich gehe mit vielen wertvollen Erfahrungen – und mit grosser Dankbarkeit für alles Erlebte.

Viele Jahre später führt mich mein Weg erneut ins Weyergut, diesmal als Quereinsteigerin im Team der Aktivierung, heute Alltagsgestaltung. Sieben Jahre lang arbeite ich dort bis zu meiner Pensionierung.

Ganz los lässt mich das Weyergut jedoch nicht: Auch nach meiner Pensionierung bin ich als freiwillige Helferin im IDEM-Team tätig – vor allem in der Cafeteria, aber immer wieder auch mit grosser Freude in der Alltagsgestaltung.

IDEM – im Dienste eines Mitmenschen
Im Weyergut Bethanien leisten freiwillige Helfer:innen einen wertvollen Beitrag zum Miteinander im Haus. Unter dem Namen IDEM – im Dienste eines Mitmenschen schenken sie unseren Bewohnerinnen und Bewohnern Zeit, Aufmerksamkeit und Unterstützung – bei Gesprächen, Spaziergängen, Veranstaltungen, im Restaurant und in vielen weiteren Begegnungen des Alltags.

So entstehen wertvolle Momente, die den Alltag bereichern und unsere offene, lebendige Atmosphäre mitprägen. Freiwillige werden bei uns sorgfältig eingeführt und begleitet.

Haben Sie Interesse an einer freiwilligen Mitarbeit? Dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

Biodiversität: Das Weyergut schafft Lebensräume

Biodiversität im Weyergut Bethanien
Biodiversität ist mehr als ein Schlagwort – sie bildet die Grundlage stabiler Ökosysteme, auch im Siedlungsraum. Dass selbst kleinere Grünflächen einen wertvollen Beitrag leisten können, zeigen auch Erkenntnisse der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz: Entscheidend sind nicht nur grosse Naturschutzgebiete, sondern vor allem vernetzte, vielfältige Lebensräume – genau hier setzt das Weyergut Bethanien an.

Vielfalt direkt vor der Haustür
Im Mai 2024 trafen sich 25 Interessierte gemeinsam mit dem Umweltforum Köniz und Pro Natura Bern, um die Natur rund um das Alters- und Pflegeheim Weyergut Bethanien genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei wurde sichtbar, wie viel bereits vorhanden ist – oft auf den zweiten Blick.

Ein Beispiel ist die Wiese im östlichen Teil des Areals: Sie wird bewusst nur einmal jährlich gemäht. Was zunächst «unordentlich» wirkt, ist ökologisch wertvoll. Wildblumen können aussamen, Insekten finden Nahrung, und Kleintiere erhalten Schutzräume. Studien zeigen, dass naturnah gepflegte Wiesen zu den artenreichsten Lebensräumen Europas gehören.

Kleine Strukturen, grosse Wirkung
Biodiversität entsteht oft im Detail. Asthaufen, Steinhaufen oder unaufgeräumte Ecken sind im Weyergut Bethanien keine Zufälle – sondern gezielte Lebensräume.

  • Asthaufen bieten Unterschlupf für Blindschleichen, Wiesel, Spinnen und Insekten
  • Steinhaufen werden von Käfern und Spinnen besiedelt
  • Dichte Strukturen helfen Vögeln wie dem Zaunkönig beim Nisten

Solche Mikrohabitate gelten laut aktuellen ökologischen Erkenntnissen als entscheidend für die Artenvielfalt – gerade in urban geprägten Räumen.

Ein Zuhause für gefiederte Gäste
Auch für Vögel wurde mitgedacht: Unterschiedliche Nisthilfen mit variierenden Lochgrössen schaffen gezielt Lebensraum für verschiedene Arten wie Stare, Kohlmeisen, Kleiber, Spatzen oder Blaumeisen. Ergänzt werden sie durch sogenannte Rindentaschen – ein ideales Zuhause für Baumläufer.

Diese Nisthilfen erfüllen gleich mehrere Funktionen: Sie bieten Schutz während der Brutzeit und dienen bei schlechtem Wetter als Rückzugsort.

Summen, Krabbeln, Bestäuben
Insekten spielen eine Schlüsselrolle im Ökosystem – und doch sind viele Arten bedroht. Im Weyergut Bethanien wurde deshalb ein Wildbienenhaus geschaffen. Es bietet nicht nur Wildbienen, sondern auch Marienkäfern, Ohrwürmern sowie weiteren Insekten und Spinnen einen geeigneten Lebensraum.

Gerade Wildbienen sind für die Bestäubung unverzichtbar. Laut dem Bundesamt für Umwelt sind rund ein Drittel unserer Nahrungsmittel direkt oder indirekt von Bestäubern abhängig.

Der Weiher kehrt zurück
Der Anlass im Mai 2024 gab zudem den Anstoss für ein weiteres Projekt. Dabei wurde ein beinahe verschwundener Weiher auf dem Gelände entdeckt. Schnell war klar: Zum Weyergut gehört ein „Weyer“ (Newseitrag)

Dank dem Engagement unserer Bewohnerin Frau Schärer, der Heimleitung sowie der Unterstützung des Umweltforums Köniz und weiterer Beteiligter wurde das Projekt umgesetzt. Die Grube wurde freigelegt, neu foliert und mit Kies befestigt. Mit dem Regen füllte sich der Weiher wieder.

Solche Kleingewässer zählen zu den artenreichsten Lebensräumen überhaupt. Sie bieten Amphibien, Insekten und Pflanzen ideale Bedingungen – und schaffen gleichzeitig einen Ort der Ruhe und Beobachtung. So ist im Weyergut Bethanien Schritt für Schritt ein vielfältiger Lebensraum entstanden – für Tiere, Pflanzen und die Menschen, die hier leben und arbeiten.

Biodiversität ist Teil unseres Alltags. Und vielleicht entstehen schon bald weitere kleine Oasen, die zum Entdecken, Beobachten und Staunen einladen.

Weiterführende Links:
Newsbeitrag: Das Weyergut erhält einen Weyer
Blogbeitrag: Einblicke in die Vielfalt der Natur
Interview mit Frau Monika Schärer: Chronik und Biodiversität
Natura: Die Biodiversität der Schweiz schwindet
Mission B: Gemeinsam für mehr Biodiversität
Akademie der Naturwissenschaft: Biodiversität verstehen und gestalten
Bundesamt für Umwelt: Biodiversität

Arbeiten im Weyergut Bethanien: Mit Herz seit 1976

Dieses Jahr feiern wir ein halbes Jahrhundert Weyergut Bethanien. Ein Ort des Lebens, der Begegnung und der Fürsorge. Ebenso lange engagieren sich hier Menschen mit Herz und Fachkompetenz für das Wohl unserer Bewohnenden.

Über 130 Mitarbeitende in 32 unterschiedlichen Funktionen bringen täglich ihre Stärken ein und machen das Weyergut Bethanien zu einem lebendigen Ort. Bei über 80 Bewohnenden braucht es viele helfende Hände, die ihre Arbeit mit Engagement, Empathie und Verantwortungsbewusstsein ausüben.

Neben der Pflege tragen zahlreiche weitere Bereiche zu einem gut funktionierenden Alltag bei: Das Küchenteam sorgt für das leibliche Wohl, die Verwaltung organisiert und empfängt, und die Aktivierung gestaltet die Tage unserer Bewohnenden abwechslungsreich und kreativ. Das Team der Hauswirtschaft schafft eine angenehme und gepflegte Umgebung, in der man sich zuhause fühlen kann. Und unser Betriebstechniker ist überall dort im Einsatz, wo Unterstützung gefragt ist. Zudem engagieren wir uns als Ausbildungsbetrieb und begleiten Lernende und Praktikanten auf ihrem beruflichen Weg.

Wir sind stolz darauf, dass unsere Mitarbeitenden bei uns die Möglichkeit haben, sich weiterzuentwickeln und ihren eigenen Weg zu gehen. Gleichzeitig schaffen wir einen Arbeitsplatz, der von Wertschätzung, Zusammenhalt und Sinn geprägt ist.

Als Ausbildungsbetrieb trägt das Weyergut Bethanien auch zur Weitergabe ihrer Werte bei und investiert in die Zukunft.

Wundervolle Blasmusik von Senzacorde

Viele Besucherinnen und Besucher fanden den Weg in den Weyergutsaal, wo das Bläserquintett Senzacord am 8. März zu Gast war. Gespielt wurden Werke bekannter und auch weniger bekannter Komponisten, darunter Williams, Dvořák und Mozart.

Es war eine abwechslungsreiche Auswahl an Musikstücken. Melodien aus neuen und alten Klängen sowie englische Volksmelodien wurden zu einem stimmigen Ganzen verwoben. Zwischendurch gab es immer wieder informative Ansagen zu den einzelnen Musikstücken, die zusätzliches Hintergrundwissen vermittelten.

Die Gäste waren begeistert und tauschten sich im Anschluss noch bei einem Apéro des Restaurant Weyergut aus.

Ein gelungener Nachmittag mit dem Jodlerchörli

Am 21. Februar durften wir das Jodlerchörli TV Belp bei uns im Weyergut Bethanien begrüssen. Damals, im Jahr 1967, wurde das Jodlerchörli von elf engagierten Turnern gegründet. Bis heute stehen sie für Kameradschaft, Freude an der Tradition und die Liebe zum Jodel.

Mit 22 aktiven Mitgliedern wird weiterhin sehr viel Herzblut in die Proben, die Auftritte und besonders in unvergessliche Momente investiert – Momente wie jene im Weyergut Bethanien. So fanden viele interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer den Weg zu uns und wurden mit einer wunderbaren Liederauswahl durch den Nachmittag begleitet. Das Zusammenspiel des ganzen Chors und der beiden Solistinnen sorgte für Abwechslung. Zudem durften wir ein akustisches Highlight geniessen, da der Weyergutsaal den harmonisch aufeinander abgestimmten Chor bestens wiedergab.

Nach dem Konzert konnten sich die Gäste noch bei einem Apéro austauschen und so auch schon gemeinsam auf das 50-jährige Bestehen des Weyergut Bethanien anstossen.

Ein Tag im Weyergut: Erinnerungen aus den Anfangsjahren

Erzählt von einer Bewohnerin von damals
Blogbeitrag zum 50-jährigen Jubiläum des Weyergut Bethanien

Was? Es ist schon bald sieben Uhr? Beinahe eine Schande, so lange zu schlafen. Eine alte Frau so lange im Bett? Das gute Bett ist natürlich auch schuld. Zum Glück habe ich meine alte Kutsche fortgegeben, obwohl sie mir leid tat. Heute hörte ich nicht einmal die Vögel singen. Zu spät. Das macht ja nichts. Wir bekommen bis neun Uhr Frühstück. Dafür sind jetzt schon die Fohlen auf der Weide. Schön, dass man hier sozusagen auf dem Land ist – und doch in der Stadt.

Zimmer einer Bewohnerin mit eigenen Möbeln im Weyergut Bethanien 1976

Jetzt aber schnell in die Dusche. Es ist sicher niemand draussen um diese Zeit. Es wäre natürlich schön, wenn ich meine eigene hätte; aber so lernt man, ein wenig aufeinander Rücksicht zu nehmen. Oder – man verlernt es nicht. Schliesslich sind es nur unser zehn in der Wohngruppe, und einige davon duschen urselten. Denen genügt das wöchentliche Wannenbad und das Hallenbad. Jeder Pensionär hat dafür sein eigenes WC und Lavabo.

Nein – für`s Zimmermachen habe ich heute keine Zeit. Morgen dann wieder! Hin und wieder reizt es einfach, sich als Hotelgast zu fühlen. Und es ist ja auch gut, dass das Personal jede Woche einmal gründlich dahintergeht. Halt, es reicht noch zu einem Telefon an Leni. Hoffentlich hat sie die Grippe überstanden. Es hat halt nicht jedermann so viel Pflege und Betreuung wie wir.

Nun aber hinunter in den Essraum. Die meisten sind noch am Morgenessen. Heute scheint die Sonne bis an meinen Tisch. Bei klarem Wetter geht der Blick bis in die Alpen. Ich glaube, man sieht die Jungfrau – oder ist es die Blüemlisalp? Danke für den guten Kaffee, den sie immer haben hier. Das Essen ist manchmal fast zu gut.

Eigentlich ist mir die Morgenandacht um neun Uhr in unserem festlichen Saal recht lieb geworden. Meistens hält sie der Heimleiter, manchmal auch der Pfarrer, der von Bern oder Wabern kommt. Ich schätze auch meinen eigenen Briefkasten. Letzthin hätte ich beinahe mit meinem Zimmerschlüssel am falschen probiert, wenn mir nicht im letzten Augenblick die andere Farbe aufgefallen wäre.

alle Bewohner und Bewohnerinnen haben einen eigenen Briefkasten.

Dienstag: Heute ist Hallenbadtag. Ich werde dann am Donnerstag dabei sein. Ja, wer hätte gedacht, dass ich noch schwimmen lernte mit einundachtzig! Aber es geht schon ordentlich.

Hallenbad im Weyergut Bethanien mit Aquafit

Auch der Gymnastik-Parcours draussen im Garten ist herrlich. Manchmal sogar richtig lustig. Ich bin allerdings froh, dass die Turnlehrerin immer mitkommt und aufpasst, damit nichts schiefgeht.

Gymnastik Parcours draussen im Weyergut Bethanien 1976

Tatsächlich, ich bin eingenickt. Haben wir schon Mittag gehabt? Natürlich. Heute gab es ja mein Lieblingsmenü: Kalbsbraten und Bohnen. Die Diät, die ich am Anfang bekam, war zwar auch gut. Ich habe wohl etwas zu viel gegessen, dass mir die Augen so rasch zugefallen sind.

In einer halben Stunde kommt Maria zu Besuch. Habe ich noch genug Kaffee-Coupons? Ja, das reicht noch für die ganze Woche. Zuerst trinken wir jeweils einen Kaffee in der Halle gegen den Garten. Die andern dürfen ja wohl sehen, dass ich Besuch habe. Und Maria freut sich immer so an unserem Hausvogel, dem lustigen Beo. «Hesch guet gschlaafe?» fragt er, mit tiefer, bald mit hoher Stimme.

Nachher sitzen wir noch ein bisschen auf dem Balkon vor meinem Zimmer. Jetzt, wo das Wetter so mild ist und die Geranien so wunderbar blühen, ist es herrlich, draussen zu sitzen. Ob es mir hier gefalle, fragt sie. Ich weiss eigentlich nicht, was ich mir noch wünschen sollte. Doch – ein paar Jahre weniger. Damit ich es besser geniessen könnte!

Weisst du, wir haben wirklich keinen Grund, über Langeweile oder Trostlosigkeit zu klagen. Wir machen uns gegenseitig Besuche. Manchmal hilft eine der andern. Wir dürfen zusammen basteln. Übrigens hat es auch eine ganze Anzahl Männer im Haus. Jede Woche wird eine interessante Veranstaltung im Saal durchgeführt. Am Abend kann man fernsehen oder ausgehen. Früher hätte ich das noch mehr geschätzt. Aber es ist doch angenehm zu wissen, dass wir ernst genommen werden und man uns vertraut.

Warum könnten wir denn sonst mit unserem Schlüssel auch die Haustüre öffnen? (Ich bin allerdings erst einmal nach zehn Uhr nachts heimgekommen!)

Bald ist wieder Zeit für das Nachtessen. Der Besuch ist gegangen. Die Stille tut auch gut. Aber beruhigend ist es doch zu wissen, dass man nicht allein ist. Wie es heute in der Andacht hiess: «Der Herr ist mein Hirte.» Gehört dazu nicht auch, dass immer eine der Schwestern – sogar nachts – die Herde hütet?

Danke für diesen Tag, der so viel Gefreutes gebracht hat. Danke für dieses Zuhause, Herr.

Die Chronik unseres Hauses und ihre Autorin

Eine Chronik, die weit mehr ist als eine Sammlung von Daten: Sie hält Momente fest, die das Weyergut Bethanien geprägt haben – von den frühen Ideen bis zu dem Ort, der heute so vielen Menschen ein Zuhause bietet.

Für unser 50-jähriges Jubiläum gewährte uns die Autorin und Bewohnerin Monika Schärer Einblicke in ihre Beweggründe, die Entstehung ihres Werkes und ihre besondere Verbundenheit zum Weyergut Bethanien und zur Landschaft, die das Haus umgibt.

Interview mit Monika Schärer

Vom Ferienaufenthalt zum Daheim – Erinnerungen an den Start im Weyergut Bethanien

Frau Schärer, Sie sind 2020 ins Weyergut Bethanien eingezogen. Wie haben Sie Ihren Start hier erlebt?
Im Frühling 2020 – mitten in der Coronazeit – wurde bei mir eine seltene, schwere Rückenkrankheit behandelt. Nach dem Spitalaufenthalt fühlte ich mich noch nicht bereit, in meine Wohnung zurückzukehren, und kam zunächst als Feriengast ins Weyergut.

Ich kannte das Haus bereits von Spaziergängen und wusste von Bekannten, dass ihre Angehörigen sich hier wohlgefühlt hatten. Am Eintrittstag wurde ich liebevoll empfangen und sorgfältig begleitet – dieses Willkommen hat mir den Start sehr erleichtert.

Nach einigen Wochen entschied ich mich, zu bleiben. Trotz körperlicher Einschränkungen merkte ich schnell, dass mir hier vieles möglich bleibt: Lesen, Schreiben, Musik – sogar mein E-Klavier und meine vielen Bücher haben Platz gefunden. Seit dem Sommer 2020 ist das Weyergut mein Daheim, und ich habe diese Entscheidung nie bereut.

Welche Veränderungen haben Sie seit Ihrem Einzug besonders wahrgenommen?
Die zweijährige Innensanierung war gerade abgeschlossen, als ich einzog – vieles war neu, manches noch im Wandel. Seither erlebe ich ein Haus, das sich stetig weiterentwickelt und in dem die Gemeinschaft trotz aller Veränderungen spürbar bleibt und weiter wächst.


Ein Herz für Biodiversität – Engagement für Natur und Lebensräume

Sie engagieren sich leidenschaftlich für die Natur, insbesondere für Insekten. Wie kam es dazu?
Wiederum auf Spaziergängen rund ums Haus entdeckte ich zwei Gartenbereiche: den gepflegten Blumenbereich und das „wilde“ Stück Garten, das nur einmal jährlich gemäht wird. Dort erkannte ich grosses Potenzial für Biodiversität.

Ich schenkte dem Haus ein grosses Wildbienenhaus, gefertigt von Menschen mit einer Beeinträchtigung, das schon bald lebendig bewohnt wurde. Aus Ästen, Steinen, Laub und Sand baute ich weitere Kleinstrukturen als Rückzugsorte für Kleintiere. Auf Infotafeln erklärte ich, wie man solche Lebensräume fördern kann – und kam darüber oft mit Menschen ins Gespräch. Einige liessen sich inspirieren und setzten ähnliche Ideen in ihren eigenen Gärten um.

Auch der Weiher im Park spielt eine wichtige Rolle für Sie. Was bedeutet er Ihnen?
Ein Gewässer schafft zusätzliche Vielfalt. Unser Weiher war allerdings gekippt und beinahe verlandet. Mit Unterstützung des Umweltforums Köniz konnte er 2025 erneuert werden. Schon kurze Zeit später kehrten Bergmolche, Libellen, Käfer und Vögel zurück.

Heute ist der Weiher, liebevoll „Weyer“ genannt, ein Ruhe- und Kraftort – für Bewohnende, Angehörige und Nachbarn. Für mich ist er ein Ort der Beobachtung und der Freude, dessen Entwicklung ich weiterverfolgen möchte.


Die Chronik – Entstehung, Motivation und Erkenntnisse

Was hat Sie dazu inspiriert, eine Chronik über das Weyergut Bethanien zu verfassen?
Nach meinem Einsatz für die Neubelebung des Weihers fragte ich mich, ob zwischen dem „Weiher“ und dem Namen „Weyergut“ ein Zusammenhang besteht. In den Wintermonaten entstand daraus das Bedürfnis, vertiefter in die Geschichte einzutauchen.

Wie sind Sie dabei vorgegangen?
Ich wandte mich an verschiedene Archive – Köniz, Burgerbibliothek Bern, das Archiv des Weyergut Bethanien sowie an historische Literatur. Daraus entstand ein Zeitgerüst, das beinahe 300 Jahre umfasst.

Für die jüngeren Zeitabschnitte ab 2013 gab es kaum schriftliche Quellen. Deshalb begann ich, Menschen zu interviewen, die dem Weyergut lange verbunden sind. So entstanden lebendige Beiträge – und zugleich ein spürbares Interesse und neue Gespräche im Haus.

Welche Erkenntnisse haben Sie besonders überrascht oder berührt?
Ich stellte fest, dass unser heutiger Weiher keinen direkten historischen Bezug zum Namen „Weyergut“ hat: Er wurde im Jahr 2000 anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums angelegt. Dass er nun, 25 Jahre später, rechtzeitig vor dem 50-Jahr-Jubiläum erneuert wurde, empfand ich als stimmiges Bild.

Die Herkunft des Namens „Weyergut“ hingegen ist eng mit dem stark wassergeprägten Gebiet rund um den Gurten verbunden. Zahlreiche Quellen, Brunnen und frühere Naturweiher erzählen von einer Geschichte, die tief im Ort verwurzelt ist.

Wie lange dauerte der Entstehungsprozess?
Intensiv arbeitete ich ab Sommer 2024 an der Chronik. Im April 2025 konnte ich erstmals eine gedrucke Chronik in den Händen halten. Die 100 bestellten Exemplare fanden rasch ihren Weg zu vielen interessierten Leserinnen und Lesern.


Zum Jubiläum – Gedanken zu 50 Jahren Weyergut Bethanien

Welche Gefühle begleiten Sie, wenn Sie auf die 50-jährige Geschichte unseres Hauses blicken?
Ich empfinde grosse Hochachtung gegenüber all jenen Menschen, die das Weyergut Bethanien über Jahrzehnte hinweg möglich gemacht haben und es bis heute mit viel Engagement, Mut und Ausdauer tragen. Auch gerade die Unterstützung durch die EMK Bern (Evangelisch-methodistische Kirche Bern) hat es immer wieder ermöglicht, Hürden zu überwinden.

Was wünschen Sie dem Weyergut Bethanien für die kommenden Jahre?
Meine Hoffnung für die Zukunft ist, dass die gelebte Toleranz, Geduld und das Einfühlungsvermögen im Weyergut weiterhin gedeihen. Möge das Haus ein Ort bleiben, an dem Mitarbeitende mit Freude tätig sind und Bewohnende ein wertschätzendes, wohltuendes Umfeld erleben.


Mehr über die Autorin

  • geboren zur Zeit des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs
  • aufgewachsen in Bern in einer Lehrersfamilie
  • Lehrerin in den Buchsibergen (Oschwand)
  • Psychologiestudium an der Universität Bern
  • rund 30 Jahre als Jugendpsychologin im Kanton Bern tätig
  • 13 Jahre Freiwilligendienst im Altersheim Rüttihubelbad
  • seit Sommer 2020 Bewohnerin des Weyergut Bethanien

Die Chronik herunterladen

Mit freundlicher Genehmigung von Frau Monika Schärer stellen wir ihre Chronik zum Jubiläum als PDF zur Verfügung. Alle Rechte am Werk verbleiben bei der Autorin.

👉 Download der Weyergut-Chronik

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Rückblick: Les Clarissons im Weyergut Bethanien

Am 9. November durften wir im Weyergut Bethanien ein musikalisches Highlight erleben: Les Clarissons – mit Gerrit Boeschoten, Thomas Kocher und Patrick Bader – spielten vor rund 65 Besucherinnen und Besuchern – darunter viele Nachbarinnen und Nachbarn, Angehörige, Bewohnende sowie zahlreiche Gäste von ausserhalb, die den Weg zu uns fanden.

Das Konzert begeisterte mit hochkarätigen und abwechslungsreichen Darbietungen: Von Gershwin über Mozart und Bach bis hin zu einem temperamentvollen Klezmer-Finale und einer schwungvollen Tango-Zugabe. Die Resonanz war gross – viele Zuhörerinnen und Zuhörer zeigten sich berührt, dankbar und voll Begeisterung über diesen musikalischen Vormittag.

Im Anschluss wurde ein schmackhaft angerichtetes Apéro von der Küche des Restaurant Weyergut serviert. Bei feinen Häppchen entstanden lebendige Gespräche. Diese Begegnungen rundeten das mitreissende Konzert stimmungsvoll ab.

Wir bedanken uns herzlich bei Les Clarissons für die wunderschönen Klänge, beim Siedlungsverein für die wertvolle Zusammenarbeit und bei allen Gästen für ihr Kommen und Mitwirken. Ein mitreissender Sonntag voller Klang, Begegnung und Gemeinschaft im Weyergut Bethanien.

Gemeinsam für ein altersfreundliches Köniz

Weyergut Bethanien engagiert sich im Netzwerk «Köniz – gemeinsam altersfreundlich»

Während der letzten fünf Jahre hat die Gemeinde Köniz gemeinsam mit Altersorganisationen, Fachpersonen und engagierten Freiwilligen an einem grossen Ziel gearbeitet: Köniz soll eine altersfreundliche Gemeinde werden. Mit dem erfolgreichen Abschluss des Projekts «Köniz – gemeinsam altersfreundlich» ist dieses Ziel nun erreicht – und auch das Weyergut Bethanien durfte einen Beitrag dazu leisten.

Einer unserer Mitarbeitenden war Teil der Projektgruppe, die gemeinsam mit der Gemeinde und weiteren Organisationen tragfähige Strukturen und neue Angebote für ältere Menschen geschaffen hat. Ziel war es, den Alltag im Alter zu erleichtern, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und den Gedanken der «Caring Community» – der sorgenden Gemeinschaft – in Köniz fest zu verankern.

Neue Angebote für mehr Selbstbestimmung und Nähe

Im Rahmen des Projekts sind mehrere Initiativen entstanden, die nun dauerhaft weitergeführt werden:

  • InfoTreff Alter – Ein Begegnungsort in Köniz und Niederscherli, an dem geschulte Freiwillige ältere Menschen und Angehörige zu Fragen rund ums Älterwerden beraten und Orientierung im breiten Angebot geben.
  • Zeit-Netz Köniz – Eine Nachbarschaftshilfe, die Menschen auf Augenhöhe zusammenbringt: Freiwillige schenken älteren Personen Zeit, Gesellschaft und Unterstützung im Alltag – etwa beim Einkaufen, Spazieren oder bei Arztbesuchen. Dabei entstehen auch wertvolle generationenübergreifende Begegnungen, die beide Seiten bereichern.
  • Digitales Verzeichnis der Altersangebote – Ein Online-Verzeichnis, das alle Altersangebote in der Gemeinde bündelt und Orientierung schafft – für ältere Menschen, ihre Angehörigen, Freiwillige und Fachpersonen, die sich informieren oder engagieren möchten. | Hier gelangen Sie direkt zum digitalen Verzeichnis der Altersangebote.

Medieninteresse am Projekt

Auch Medienschaffende interessierten sich für das Projekt – entstanden sind mehrere spannende Radiobeiträge, die einen lebendigen Einblick in die neuen Angebote geben:

🎧 Bericht im Radio Silbergrau über die InfoTreffs Alter (15. Juli 2025) | ab ca. Minute 14:20

🎙️ Mehrere Sendungen in der SRF Musikwelle (Magazin) über das Projekt (21. und 28. August sowie 4. und 11. September 2025):

Gemeinsam Verantwortung tragen

Das Projekt zeigt eindrücklich, wie gemeinsames Engagement – von Gemeinde, Institutionen, Familien und Freiwilligen – ein lebendiges Netzwerk entstehen lässt, das älteren Menschen ein selbstbestimmtes Leben in vertrauter Umgebung ermöglicht.

«Älterwerden soll Teil eines erfüllten Lebens sein können – bei allen Herausforderungen, die sich stellen», sagt Rahel Huber, Altersbeauftragte der Gemeinde Köniz.

Das Weyergut Bethanien ist stolz, Teil dieses starken Netzwerks zu sein. Die enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde und anderen Organisationen trägt dazu bei, dass Köniz auch in Zukunft ein Ort bleibt, an dem Menschen aller Generationen gut aufgehoben sind – heute und morgen.

Weiterführende Links:
Medieninformation Gemeinde Koeniz
Beitrag in der Zeitschrift Koeniz Innerorts | September 2025

Rückblick auf unser Sommerfest 2025

Bei schönstem Sommerwetter durften wir am Sonntag, 17. August 2025, unser traditionelles Sommerfest feiern. Viele Gäste – Bewohner:innen, Angehörige, Mitarbeitende sowie zahlreiche externe Besucher:innen – fanden den Weg ins Weyergut und sorgten für eine lebendige und fröhliche Atmosphäre. Besonders rund um das gemeinsame Mittagessen war der Andrang gross.

Kulinarische Höhepunkte und bunte Vielfalt
Das Grillbuffet und das reichhaltige Dessertangebot waren einmal mehr Publikumsmagneten. Auch am beliebten „Zwirbele“ herrschte reger Betrieb – die tollen Preise wie Blumen, Käse, Wein, Fleischwaren, Schokolade oder Gutscheine sorgten für leuchtende Augen. Für grosse Begeisterung sorgte zudem unsere Mitarbeiterin Asma, die mit viel Geduld und Talent kunstvolle Henna-Tattoos gestaltete. Viele Gäste nutzten dieses besondere Angebot mit Freude. Auch der Koffermarkt stiess auf viel Interesse und lud zum Stöbern ein.

Stimmung und Musik
Das Agay Quartett sorgte für musikalische Akzente und es herrschte eine beschwingte Stimmung. Viele Besucher:innen verweilten lange und genossen das Zusammensein.

Zusammenhalt im Team
Ein besonders schöner Aspekt: die hervorragende Zusammenarbeit über alle Bereiche hinweg. Mitarbeitende aus verschiedenen Abteilungen packten gemeinsam an wodurch das Fest zu einem echten Gemeinschaftserfolg wurde.

Wir danken allen Beteiligten und Besucher:innen herzlich für diese wunderbar Feier – und freuen uns schon auf das nächste Mal, wenn ein ganz besonderes Sommerfest ansteht…