50 Jahre Weyergut – 50 Lieblingsrezepte

Zum 50-jährigen Jubiläum des Weyerguts Bethanien haben Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeitende ihre liebsten Gerichte und persönlichen Erinnerungen mit uns geteilt.

So ist eine kulinarische Reise durch verschiedene Länder, Traditionen und Generationen entstanden. Hinter jedem Gericht steckt mehr als nur ein Rezept. Es erzählt von Familie und Freundschaft, von besonderen Momenten und von Mahlzeiten, die Menschen miteinander verbinden.

Von herzhaften Familienklassikern über internationale Spezialitäten bis hin zu süssen Köstlichkeiten vereint dieses Buch die Vielfalt der Menschen, die das Weyergut Bethanien geprägt haben und weiterhin prägen.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Entdecken, Nach-kochen und Geniessen – und viele schöne, gemeinsame Momente an einem gedeckten Tisch.

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<Es hät so langs hät>

Interview mit ehemaligem Heimarzt Dr. Donat Gemsch

Während 20 Jahren begleitete Dr. Donat Gemsch das Weyergut Bethanien als Heimarzt – bis zu seiner Pensionierung Anfang 2025. Im Interview spricht er über berührende Begegnungen, den Umgang mit Demenz, die Bedeutung eines starken Pflegeteams – und über seine grosse Achtung vor älteren Menschen.

08.05.2026: Das Interview fĂĽhrte JĂĽrg Schmid, Leiter Administration und IDEM Weyergut Bethanien. JĂĽrg Schmid kennt
Dr. Gemsch seit vielen Jahren und ist deshalb mit ihm per Du.

Donat, woran erinnerst du dich besonders, wenn du an deine Anfangszeit im Weyergut zurĂĽckdenkst?
Ich habe grosse Achtung davor, dass Menschen, die früher ein ganz eigenes und individuelles Leben geführt haben, sich im Alter plötzlich an eine Wohngemeinschaft gewöhnen müssen. Sie sitzen dreimal täglich mit denselben Menschen am Tisch. Da erstaunt es mich eigentlich, dass es nicht öfter zu Spannungen kommt. Esther und Rolf Bayer spielten dabei eine sehr wichtige Rolle. Ich habe sie damals gefragt, wie sie es schaffen, dass die Menschen so gut miteinander auskommen und wer mit wem an einem Tisch sitzt. Dafür braucht es viel Gespür. Vieles war auch ein Ausprobieren: Wenn eine Konstellation nicht funktionierte, wurde jemand umplatziert.

Dieser direkte Austausch und das gemeinsame Suchen nach guten Lösungen haben mir immer sehr gefallen.

Was hat dich damals motiviert, diese Aufgabe ĂĽberhaupt anzunehmen?
Ich selbst hatte wunderbare Grossmütter. In einem Altersheim leben deutlich mehr Frauen als Männer. Mit der Zeit wurden viele Bewohnerinnen für mich fast ein wenig zu Ersatz-Grossmüttern.

Was hat dir bei der Arbeit im Weyergut besonders Freude gemacht?
Besonders geschätzt habe ich immer die Zusammenarbeit mit dem Pflegeteam. Schon früher habe ich gespürt, wie stark sich die Mitarbeitenden dafür einsetzen, gemeinsam das Richtige für die Bewohnenden zu machen. Alle tragen dazu bei, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Menschen möglichst wie zu Hause fühlen können. Genau dieses Miteinander habe ich immer sehr geschätzt.

Gibt es Begegnungen mit Bewohnenden, die dich nachhaltig geprägt haben?
Der demenzielle Zerfall beschäftigt und belastet mich bis heute stark. Besonders schwierig wird es, wenn aggressive oder paranoide Verhaltensweisen dazukommen. Das ist ein grosses Leiden – für die Bewohnenden selbst, für Angehörige und auch für die Pflegenden. Ein Bewohner, der schon lange hier lebte, hatte trotz seiner Demenz eine unglaublich positive Art. Anfangs kannte er mich noch gut und bedankte sich jedes Mal dafür, dass wir so gut zu ihm schauen. Auch die Pflege erzählte oft, wie dankbar er selbst für kleine Dinge war – etwa für das Essen. Solche Menschen vergisst man nicht. Es gab aber auch die andere Seite. Ein Bewohner, der ebenfalls in der Wohngruppe für Menschen mit dementieller Erkrankung lebte, sagte immer, dass er die Tabletten nicht nehme, weil diese vergiftet seien. Oder dass wir ihm seine Brille gestohlen hätten. Dieser Bewohner empfand gewisse pflegerische Handlungen teilweise als Hexerei – und das ist ein grosses Leiden. Genau das meine ich mit dem demenziellen Zerfall. Er ist für alle belastend.

Wie wĂĽrdest du den Weyergut-Geist aus deiner Sicht beschreiben?
Ich habe hier viele langjährige Mitarbeitende erlebt. Sie verfügen über ein enormes Können und gleichzeitig über eine grosse Hingabe zum Beruf. Man spürt, dass ihnen wirklich wichtig ist, dass es den Bewohnenden gut geht.

Seit rund einem Jahr bist du pensioniert – was schätzt du an deiner neugewonnenen Freiheit besonders?
Die neugewonnene Freiheit bedeutet für mich vor allem, Zeit zu haben. Zeit für mich selbst und dafür, bewusst das zu geniessen, worauf ich Lust habe. Ich habe nicht mehr die Aufgabe, ständig für die Patientinnen und Patienten verfügbar zu sein und sie immer an erste Stelle setzen zu müssen.

DafĂĽr habe ich heute mehr Zeit fĂĽr meine Frau, meine Kinder und seit einigen Monaten auch fĂĽr mein erstes Enkelkind.

An deinem letzten Arbeitstag im Weyergut musstest du gleich dreimal wegen eines Notfalls kommen. Was ging dir durch den Kopf, als sich der dritte «Notfall» plötzlich als Abschiedsüberraschung herausstellte?
Ich habe das zuerst gar nicht realisiert und war völlig überrascht. Ab und zu ist meine Frau mitgekommen, wenn ich ausserhalb der Bürozeiten einen Notfall hatte. Währenddessen konnte sie jeweils noch Besorgungen machen. Deshalb fiel es auch dieses Mal nicht auf, als sie beim dritten «Notfall» wieder mitkommen wollte. Meine Frau hat dabei toll mitgespielt.

Umso grösser war dann die Überraschung, als ich plötzlich das Personal und die Leitung im Restaurant Weyergut gesehen habe. Der angebliche Notfall entpuppte sich als Abschieds-Apéro. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

Worauf bist du nach diesen 20 Jahren besonders stolz?
Ich bin stolz darauf, dass wir dem Weyergut Bethanien über all die Jahre eine grosse Sicherheit bieten konnten. Für viele war es beruhigend zu wissen, dass sie mich in einem Notfall jederzeit erreichen konnten – auch am Wochenende oder ausserhalb der normalen Praxiszeiten. Natürlich mit Ausnahme der Ferien.

Diese ständige Erreichbarkeit bedeutete nicht nur für die Bewohnenden, sondern auch für die Pflege eine Entlastung. Ich freue mich sehr, dass mein Praxispartner dieses Konzept übernommen hat und weiterführt.

Was wĂĽnschst du dem Weyergut Bethanien fĂĽr die Zukunft?
Immer genügend Personal – denn sonst kippt das System.

Während 20 Jahren hat Dr. med. Donat Gemsch das Weyergut Bethanien als Heimarzt begleitet – mit grossem Engagement, viel Menschlichkeit und einem offenen Ohr für Bewohnende, Angehörige und Mitarbeitende.

FĂĽr alles, was er in dieser langen Zeit fĂĽr das Weyergut Bethanien und insbesondere fĂĽr die Bewohnenden getan hat, danken wir ihm von Herzen.

Interview mit freiwilligen Mitarbeiterin Daniela Ryser

23.04.2026: Das Interview führte Pia Volkers, Oberstufenlehrerin und freiwillige IDEM- Mitarbeiterin zur Deutschförderung im Weyergut Bethanien mit Daniela Ryser-Zulian, freiwilligfe IDEM-Mitarbeiterin im Weyergut Bethanien mit Labradorhündin Inja

Frau Ryser, Sie engagieren sich seit rund 2024 ehrenamtlich im Weyergut Bethanien. Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Besuch hier? Was hat Sie damals besonders berĂĽhrt?
Während unserer Sozialhundeausbildung durften Inja (mein Hund) und ich im Weyergut Bethanien regelmässig kostenlos einen Rollstuhl für unser Training nutzen. Schon damals haben wir uns beide im Haus sehr wohlgefühlt. Zudem durften wir erste schöne und berührende Begegnungen erleben. Mir war klar, dass ich mich für unsere Einsätze im Weyergut Bethanien bewerben möchte.

Was hat Sie dazu motiviert, sich als Freiwillige im Rahmen von IDEM zu melden – und warum gerade im Weyergut Bethanien?
Inja und ich wohnen nur ein paar Schritte entfernt, in der Wohnsiedlung Weyergut. Und mein Vater ist vor im 2014 im Weyergut Bethanien verstorben. Dort durfte ich ihn zu jeder Tages- und Nachtzeit besuchen. Damals noch mit meinem Assistenzhund «Mimo», der sich in Ausbildung bei der Blindenführhundeschule in Allschwil befand und uns jeweils in den Ferien begleitete. Mimo hat mir auch angezeigt, dass mein Vater nach einer schweren Hirnverletzung an seinem Todestag noch einmal aufgewacht ist. In diesem besonderen Moment konnte er seine grosse Freude an Hunden noch einmal zum Ausdruck bringen. Mimo war ganz nahe bei ihm. Am Nachmittag dieses Tages ist mein Vater verstorben. Dieses Erlebnis hat mich tief berührt, und mir auch gezeigt, was Tierkommunikation bedeutet. Zudem habe ich als junge Frau fast 10 Jahr in einem eher kleinen Alters- und Pflegeheim im Büro gearbeitet. Ich habe diese Arbeit sehr geliebt.

Sie kommen regelmässig mit Ihrem Therapiehund zu uns. Welche Rolle spielt Ihr Hund in den Begegnungen mit den Bewohnenden? Gibt es Momente, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Inja ist ein Türöffner für viele Menschen im Weyergut Bethanien. Sie freuen sich immer sehr, wenn wir ins Haus kommen. Natürlich ist Inja auch sehr gerne in der Cafeteria, wo oft viele Bewohnende zusammensitzen. Ich denke wohl auch wegen den «Brösmeli» am Boden… und natürlich wegen den Bewohnenden, die ich gemeinsam mit ihr besuche.

Ein wunderschönes und berührendes Erlebnis hatte ich mit einem Mann, der an Demenz erkrankt ist. Er hat nicht mehr so viel gesprochen. Ich habe ihn aber immer als sehr fröhlich und zufrieden wahrgenommen. Nach einem Gruppenbesuch hat er sich draussen auf die Hollywood-Schaukel gesetzt und Inja mit deutlichen Worten: «komm, komm, komm» eingeladen, zu ihm auf die Schaukel zu kommen. Ich habe es Inja erlaubt, und dann sind sie zusammen hin- und her geschaukelt. Der Bewohner hat immer mit Inja gesprochen. Es war unglaublich und hat mich tief berührt.

Ihr Engagement ist sehr vielseitig: Besuche, Spaziergänge, Gespräche bei einem Kaffee im Restaurant, Unterstützung bei Aktivitäten wie dem Lotto-Spielen. Was bedeutet Ihnen diese Abwechslung?
Meine Unterstützung ist eine wertvolle und wichtige Ergänzung in der Begleitung unserer Bewohnenden. Mit Inja besuche ich ja gezielt eine Person oder eine Gruppe. Beim Lotto, den Wellnesstagen, beim Einkaufen, beim Kreativ sein oder auch den Konzerten kann ich mich für weitere Menschen einbringen, ohne noch auf meine Hündin achten zu müssen. Wie schon erwähnt, habe ich die Arbeit mit älteren Menschen und ihre Gesellschaft schon mit 30 Jahren in einer kleinen Einrichtung schätzen und lieben gelernt. Auch heute entdecke ich immer wieder Neues – sei es Filzen oder das Schenken einer entspannenden Massage.

FĂĽr mich sind das immer ganz tolle Erfahrungen. Meine Schwester und ich haben zudem jahrelang unsere betagten Eltern betreut und unterstĂĽtzt. Das lernt einem auch Demut und Geduld fĂĽrs eigene Leben.

Die Gespräche mit den Bewohnenden sind ein wichtiger Teil Ihres Einsatzes. Worüber wird am häufigsten gesprochen – und was nehmen Sie selbst aus diesen Begegnungen mit?
Gerade bei den Wellnesstagen sind die Gespräche zu zweit sehr persönlich. Die Bewohnenden erzählen viel ĂĽber sich, was sie gemacht und erlebt haben. Es herrscht eine schöne Vertrautheit, auch ĂĽber die wohltuenden BerĂĽhrungen. NatĂĽrlich erfährt man auch, warum jemand jetzt hier im Weyergut Bethanien «sein muss» oder aus Vernunft diese Wohnform gewählt hat. Solche Geschichten berĂĽhren mich ganz besonders. Die Wohnform Alters- und Pflegeheim ist oft auch eine Schicksalsgemeinschaft, die nicht immer freiwillig gewählt wurde. Den Bewohnenden ist der Personalmangel – verbunden mit häufigeren Wechseln – bewusst, und das bereitet ihnen zum Teil MĂĽhe.

Auch bei Aktivitäten der Alltagsgestaltung unterstützen Sie da Team tatkräftig. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden?
Die Zusammenarbeit empfinde ich als sehr wertschätzend, offen, sympathisch und empathisch. Ich fühle mich wahrgenommen und gehört, zudem sehr gut informiert und aufgehoben. Dieses Gefühl hatte ich schon im Vorstellungsgespräch und es hat sich bestätigt. Im Haus herrscht ein für mich enorm angenehmes Umgangsklima. Das schätze ich sehr. Genau dieses Miteinander und die Menschen inspirieren mich immer wieder für meine Einsätze.

Und dann ist da noch Zysi – die Katze, die längst ein fester Teil des Weyerguts Bethanien und der Nachbarschaft geworden ist. Wie ist Ihre Beziehung zu ihr entstanden und was bedeutet sie für Sie?
«Zisi», die Weyergutkatze, hat eigentlich drei Namen und eine ganz eigene Geschichte. Für mich ist sie «Findlingeli». Ich kenne sie schon lange, noch vor dem Umbau des Weyerguts Bethanien. Eines Tages war sie einfach da an der Mohnstrsse: eine gepflegte, wunderschöne Prachtskatze mit Halsband – aber ohne erkennbares Zuhause. Sie suchte Nähe, lief mir nach, kam sogar einmal mit zu mir, blieb zum Fressen und Schlafen. Doch unsere Katze Emma war davon wenig begeistert. Ich liess die Polizei kommen, die mit dem Lesegerät feststellte, dass sie nicht gechippt war. Ich liess sie wieder gehen, aber sie wurde immer wieder im Quartier gesichtet. Wie sie die Umbauzeit überstanden hat, bleibt ein Rätsel. Nach dem Umbau schaute sich Findlingeli neu um. Bei Herrn Althaus fand sie eine Schlafbleibe – er nennt sie «Mischa». Auch bei Herrn Locher fand sie Einlass, er nennt sie «Zysi» und pflegte lange ihren Pelz. Auch bei Frau Tobler wurde sie schon gesehen. So denke ich, hat die mutige und wohl schon etwas ältere Katze eine neue Heimat gefunden. Sie sucht sich ihre Plätze sorgfältig aus. Auch bei den Hühnern fühlt sie sich wohl. Im Winter haben wir für sie im Treppenhaus des leerstehenden Nebengebäudes einen geschützten Platz eingerichtet – und ich kümmere mich um Futter und Tierarztkosten. Sehr gerne hätte ich ihr auch ein richtiges warmes Katzenhaus gekauft, in dem sie sich verkriechen und schützen kann.

Findlingeli, Zysi, Mischa = Sie macht vielen Menschen grosse Freude, auch alle meine Hunde lieben sie = fĂĽr mich ist sie eine LebenskĂĽnstlerin, eine Heldin!

Was geben Ihnen die regelmässigen Besuche im Weyergut Bethanien persönlich zurück?
Ich denke aus meinen bereits beschriebenen Geschichten kann man herauslesen, dass ich mich in diesem Haus mit den verschiedenen Menschen sehr wohl fühle. Ich lerne, dass das Leben verschiedene Wege gehen kann und das nichts selbstverständlich ist. Freud und Leid auf kleinem Raum, das gilt es aufzusaugen, auszuhalten und mitzutragen. Für mich ist das Lebensqualität und Dankbarkeit für alles, was ich erleben darf. Es zeigt mir, dass wir Menschen ja eigentlich nur zusammen funktionieren können. Leider sieht das aktuell auf der Welt anders aus.

Wenn Sie jemandem von Ihrem ehrenamtlichen Engagement erzählen: Was würden Sie sagen, warum sich ein Einsatz als IDEM lohnt?
Weil es einfach schön ist, sich um andere Menschen zu kümmern. Dabei lernt man viel über sich selbst. Es zeigt mir, dass nicht alles im Leben von Geld, Ehre oder Ruhm bestimmt sein muss – auch wenn das für jede Person anders passt.


Was wünschen Sie dem Weyergut Bethanien zum 50-jährigen Jubiläum – und für die kommenden Jahre?
Zuerst einmal: alles Gute und herzliche Gratulation! Bleiben Sie den Menschen weiterhin so nahe – auch wenn es nicht immer einfach ist und die Kosten enorm sind. Das Weyergut Bethanien ist ein lebendiges, farbiges und empathisches Haus. Es strahlt eine gute Portion Offenheit aus. Die liebevollen Dekorationen und die vielfältigen, auch öffentlichen Anlässe sind ein grosser Genuss und zeugen von hoher Qualität.

Lassen Sie das Leben weiterhin im Haus pulsieren – es tut einfach gut.

Ganz persönlich möchte ich mich für die Grosszügigkeit gegenüber den ehrenamtlichen IDEM-Mitarbeitenden herzlich bedanken. Sie lassen uns an so vielen Festen und Ausflügen teilnehmen, schicken wertschätzende Geburtstagskarten und verwöhnen uns im November kulinarisch auf höchstem Niveau. DANKE, DANKE, DANKE!!!

Interview mit ehemaligem Leitungspaar Rolf und Esther Bayer

Esther und Rolf Bayer prägten das Weyergut Bethanien während mehr als 26 Jahren als Leitungspaar. Im Gespräch blicken sie zurück auf Aufbauarbeit, Wandel und besondere Momente – auf den Weg vom Altersheim zum Alters- und Pflegeheim, auf Feste, Begegnungen, Herausforderungen und auf den «Weyergut-Geist», der das Haus bis heute mitträgt.

26.02.2026: Das Interview führte Pia Volkers, Oberstufenlehrerin und ehrenamtliche IDEM- Mitarbeiterin zur Deutschförderung im Weyergut Bethanien

Esther und Rolf Bayer, Sie haben das Weyergut Bethanien ĂĽber 26 Jahre lang gemeinsam geleitet. Wenn Sie zurĂĽckblicken: Was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn?
Rolf: Es war eine schöne, reiche, aber auch anspruchsvolle Zeit. Die vielfältigen und sinnvollen Aufgaben mit betagten Menschen, mit den Kommissionen und mit den Mitarbeitenden haben mich sehr erfüllt.

Esther: Dem kann ich nur zustimmen. Teil dieser grossen Heimgemeinschaft zu sein, den Menschen aufmerksam zu begegnen, ihnen Zuspruch oder Hilfe zu schenken – das war für mich beglückend und wunderschön.

Rolf: Wir kamen damals als Ehepaar mit unseren beiden Kindern nach Wabern und wurden herzlich aufgenommen – fast wie in eine grosse Familie. Als ich die Leitung übernahm, traf ich auf eine eher informelle Betriebsführung. In den ersten Jahren war ich deshalb stark damit beschäftigt, klare Grundlagen zu schaffen: Anstellungsverträge, Stellenbeschreibungen, ein Personalreglement, ein Organigramm und Führungsleitlinien. Die Mitarbeitenden wünschten sich klare Aufgaben und Zuständigkeiten. Diese Aufbauarbeit war intensiv, aber auch sehr beeindruckend für mich.

Oft wird vom «Weyergut-Geist» gesprochen – einer warmherzigen, gemeinschaftlichen Kultur, die bis heute spürbar ist. Was bedeutet dieser Geist für Sie persönlich, und wie ist er entstanden?
Rolf: Ich habe diesen besonderen Geist bereits an meinem ersten Arbeitstag gespürt. Das Weyergut war der Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) stets eng verbunden – auch wir waren Teil dieser Gemeinschaft. Zu meinen Aufgaben gehörte es unter anderem, die wöchentlichen Andachten zu gestalten und zu halten.

Esther: Auch ich spürte diesen Geist von Anfang an. Und ich freue mich bis heute, wenn ich bei meinen freiwilligen Einsätzen im Restaurant erlebe, dass er weiterlebt. Ich sehe, wie Mitarbeitende in der Pflege, im Service und in der Küche liebevoll, herzlich und respektvoll mit den Bewohnenden und miteinander umgehen. Eine Mitarbeiterin sagte uns nach unserer Pensionierung einmal, es sei ihnen ein Anliegen, diesen guten Geist weiterzutragen. Das hat mich sehr berührt. Es ist etwas Tiefes, das man kaum in Worte fassen kann.

Rolf: Wichtig war uns auch die Offenheit. Das Weyergut hatte zwar einen christlichen Hintergrund, war aber immer offen für Menschen mit anderen Lebenshaltungen, Philosophien oder Religionen. Das war nicht immer für alle einfach, wurde aber von vielen sehr geschätzt.

Das Weyergut hat sich während Ihrer Leitungszeit stark weiterentwickelt – personell, strukturell und inhaltlich. Welche Veränderungen waren besonders prägend?
Rolf: Eine der grössten Veränderungen war der Weg vom Altersheim hin zu einem Alters- und Pflegeheim. Das Weyergut war ursprünglich als reines Altersheim gebaut worden – ohne die baulichen Voraussetzungen für eine umfassende Pflege. 1984 wurde zwar eine kleine Pflegeabteilung für neun Bewohnende eingerichtet, doch der Pflegebedarf nahm rasch zu. Plötzlich stellte sich die grosse Frage: Wie können wir Pflege im ganzen Haus ermöglichen? Ich erinnere mich noch gut daran, als wir die ersten drei Pflegebetten für das damalige Altersheim kauften.

Esther: Die Zimmer waren damals mit WC und Lavabo ausgestattet. Duschen gab es nur allgemein auf den Wohngruppen, ergänzt durch Wannenbäder im Untergeschoss. Für die Pflegemitarbeitenden bedeutete das weite Wege: Medikamente, Dokumentationen und Hilfsmittel waren zentral im Stationszimmer im Untergeschoss untergebracht. Stationszimmer auf den Stockwerken fehlten ebenso wie ein Büro für die Pflegedienstleitung.

Rolf: 1991 wurden deshalb fünf Bewohnerzimmer in Stationszimmer und ein Büro für die Pflegedienstleitung umgebaut. Das Projekt «stockwerkbezogene Pflege» war ein wichtiger Meilenstein. Gleichzeitig mussten kantonale Vorgaben umgesetzt, Pflegedokumentationen erarbeitet und neue Führungsstrukturen aufgebaut werden. Für alle Beteiligten war das eine grosse Herausforderung.

In den Jahren 1985 bis 2000 entstanden neue Angebote, vor allem in der Aktivierung und in therapeutischen Bereichen. Welche Rolle spielten Begegnung, Gemeinschaft und Lebensfreude in Ihrem Führungsverständnis?
Esther: Schon seit der Eröffnung 1976 gab es regelmässige Angebote wie eine Handarbeitsgruppe, ein Chörli, eine Schwimm- und Turngruppe und gerne versammelte sich eine Bewohnergruppe zum Gemüserüsten. Ab Mitte der 1980er-Jahre wurden diese Aktivitäten weiter ausgebaut. Anfangs engagierten sich zwei Freiwillige in der kleinen Pflegegruppe «Längenberg». Später wurde für diese Gruppe die erste ausgebildete Aktivierungstherapeutin angestellt. Das war ein wichtiger Schritt.

Rolf: Auch die Ausbildung gewann an Bedeutung. Die Fürsorgedirektion des Kantons Bern verpflichtete die Heime, die Ausbildung zur Betagtenbetreuerin beziehungsweise zum Betagtenbetreuer und später zur Fachangestellten beziehungsweise zum Fachangestellten Gesundheit einzuführen – als Reaktion auf den zunehmenden Mangel an Pflegepersonal.

Uns war wichtig, Kontakte, Aktivitäten, Sinn und Austausch zu fördern. Ein Heim sollte nicht nur versorgen, sondern Leben ermöglichen.

Sommerfeste, Themenwochen, gemeinsames Erleben – welche Anlässe sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Rolf: Ein grosses Highlight war das 25-Jahr-Jubiläum des Weyerguts im Jahr 2001. Fast zwei Jahre vorher begann eine Arbeitsgruppe mit den Vorbereitungen. Begleitet wurden wir von einem erfahrenen externen Fachmann. Der Stiftungsrat ermöglichte das Projekt mit einem grosszügigen Budget. Auch die traditionellen Anlässe bleiben in Erinnerung: der Ausflug auf dem Thunersee mit dem Dampfschiff «Blümlisalp», die Sommerfeste, die Weihnachtsfeiern und die 1.-August-Feiern.

Esther: Aus dem Thema «Dankbarkeit – Freude – Zuversicht» entstand damals das Projekt «Zirkus Wunderplunder». Ein Bewohner durfte als Clown auftreten. Damit erfüllte sich für ihn ein Lebenstraum. Sehr berührt hat mich auch der Austausch zwischen Schulkindern und Bewohnenden. Die Kinder kamen mit vorbereiteten Fragen an die runden Tische in den Wohngruppen. Daraus entstanden zum Teil fast freundschaftliche Verbindungen. Während der Zirkuswoche wurde jongliert, getanzt, gesungen, musiziert, geschminkt und kostümiert. Am Wochenende fanden die Aufführungen im voll besetzten Zelt statt – ein riesiger Erfolg.

Rolf: Sogar der Eigentümer des benachbarten Bauernhofes erlaubte, das Zelt während einer Woche auf seiner Wiese aufzustellen. Auch der Pächter konnte sich überwinden, dafür die Wiese zu mähen. Eine ehemalige Mitarbeiterin sprach mich kürzlich in der Stadt auf die Personalweihnachtsfeste an. Sie erinnere sich noch heute gerne an meine Rede und an das schön eingepackte Geschenk von Esther. Das hat mich sehr gefreut. Unsere Art der Personalbetreuung scheint nachhaltig geglückt zu sein.

Auch räumlich hat sich viel verändert: Vom ehemaligen Hallenbad über den Raum «Gartenblick» bis hin zu neuen Therapie- und Aktivierungsräumen. Wie wichtig waren solche Orte für den Alltag im Haus?
Rolf: Das Hallenbad war von Anfang an ein Sorgenkind – vor allem wegen der Ozon-Wasseraufbereitung und des hohen Energieverbrauchs. Ausschlaggebend für die Schliessung Ende Dezember 1995 war schliesslich die fehlende Badeaufsicht. Danach wurde intensiv diskutiert, wie der Raum sinnvoll umgenutzt werden könnte.

Der Umbau kostete rund eine Million Franken und musste von der Stiftung Weyergut getragen werden. Entstanden sind ein Lagerraum im Untergeschoss sowie helle, luftige Therapie- und Aktivierungsräume im Erdgeschoss.

Esther: Der neue Mehrzweckraum «Gartenblick» war für uns ein absolutes Highlight. Er öffnete viele Türen: für Kochgruppen, Handarbeitsgruppen, Sitzungen, Wellnessanlässe, das Vorbereiten von Ostereiern oder Guetzli und vieles mehr. Dort fanden auch gemeinschaftliche Projekte statt. Als zum Beispiel der Speisesaal erneuert wurde, konnten Bewohnende verschiedene Stühle testen und ihren Favoriten auswählen. Solche Momente stärkten den Gemeinschaftssinn und zeigten: Die Meinung der Bewohnenden zählt. Auch der neue Coiffeursalon mit Blick in den Garten wurde rege besucht, ebenso die Fusspflege. Freundliche, gut gestaltete Räume machen im Alltag viel aus.

Die 2000er-Jahre waren geprägt von Professionalisierung: neue Pflegesysteme, Berufskleidung, Ausbildungswege. Wie haben Sie diesen Wandel erlebt?
Rolf: Die Einführung von BESA (Bewohner-Einstufungs- und Abrechnungssystem) beziehungsweise RAI (Resident Assessment Instrument) im Kanton Bern war ein grosser Einschnitt. Mit diesem System wurde der tägliche Pflegebedarf gemessen, dokumentiert und abgerechnet. Zuerst gab es zehn, später zwölf Pflegestufen. Die EDV-gestützte Pflegedokumentation brachte viel Struktur, aber auch sehr viel Zusatzarbeit.

Für die Pflegedienstleitung und die Gruppenleitungen war diese Umstellung enorm anspruchsvoll. Es musste mehr dokumentiert und ausgewertet werden – mit demselben Personalbestand. Das sogenannte «Minütele», also die genaue Berechnung der Pflegeminuten, war plötzlich allgegenwärtig.

Auch die kantonalen Stellenplanvorgaben prägten den Alltag stark. Nach Todesfällen von Bewohnenden in hohen Pflegestufen musste ich oft Menschen mit tieferem Pflegebedarf aufnehmen. Im Klartext hiess das: weniger Stellenprozente im Pflegedienst. Das brachte uns oft in Nöte. Die monatlichen Stellenberechnungen waren Pflicht, aber mühsam und zeitraubend. Die Einstufung der Bewohnenden hatte zudem direkten Einfluss auf das Budget und die Tarife. Ich musste Nettobetriebskosten, Selbstzahlertarife und Sozialtarife berechnen.

Esther: Die strengen Stellenplanvorgaben wirkten sich auch ganz praktisch aus. Ich arbeitete zeitweise in drei Bereichen mit: Pflege, Betreuung und Verwaltung.

Das Weyergut war stets ein lebendiger Ort. Wie wichtig war Ihnen diese Offenheit des Hauses nach innen und aussen?
Rolf: Ă–ffentlichkeitsarbeit war mir immer wichtig. Das Weyergut sollte kein abgeschlossener Ort sein, sondern Teil des Quartiers und der Region.

Esther: Begegnungen von aussen waren uns immer wichtig und herzlich willkommen. Besuchende, Musikgruppen, Vortragende, Theatergruppen, Turngruppen oder Menschen, die nach einem Anlass noch in der Cafeteria zusammensassen – all das brachte Leben ins Haus. Bei den Veranstaltungen achtete ich stark auf die Vorlieben der Bewohnenden. Ich organisierte viele klassische Konzerte und Diavorträge und lud, wo immer möglich, auch die Nachbarschaft dazu ein.

Da wir die ersten neun Jahre in der Dienstwohnung beim Weyergut wohnten, pflegten wir auch persönliche Kontakte im Quartier. Auf dem Weg ins Dorf begegnete ich oft Nachbarinnen in ihren Gärten, die gerne ein kleines «Schwätzli» gemacht hätten. Nicht immer blieb dafür Zeit – aber genau diese Nähe war schön. Viele ältere Menschen aus der Umgebung verbrachten später ihren letzten Lebensabschnitt im Weyergut. So wurde das Haus auch zu einem Ort, an dem ein Stück Quartiergeschichte weiterlebte.

Sie haben das Weyergut nicht nur geleitet, sondern gemeinsam getragen – als Ehepaar. Was war die besondere Stärke dieser gemeinsamen Verantwortung, und was war herausfordernd?
Rolf: Unsere Stärke war eine klare, bewusst formulierte Aufgabenteilung. Wir wollten nicht rivalisieren, sondern unsere unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen einbringen und uns gegenseitig ergänzen. Viele Aufgaben führten wir gemeinsam aus. Wir besuchten alle künftigen Bewohnenden vor dem Eintritt, halfen bei der Planung der Zimmermöblierung und unterstützten bei Bedarf auch in finanziellen Fragen. Die Kontakte zu Angehörigen pflegten wir bewusst. Unser Ziel war, den Eintritt ins Weyergut gut vorzubereiten und den Übergang in diesen neuen Lebensabschnitt zu erleichtern.

Auch die gemeinsamen Mittag- und Abendessen mit den Bewohnenden gehörten in den ersten Jahren zu unserem Auftrag – oft zusammen mit unseren Kindern. Obwohl wir diese Zeit als Betreuungsarbeit verstanden, galt sie damals nicht als Arbeitszeit.

Esther: Die gemeinsame Verantwortung hatte viele schöne Seiten, aber sie war auch belastend. Die ersten neun Jahre wohnten wir direkt beim Weyergut. Bei Abwesenheiten der Stellvertretung übernahmen wir Pikettdienste: Feueralarm, technische Alarme oder Unterstützung der Nachtwache in Notfällen. Dazu kamen lange Präsenzzeiten und die ständige Nähe zum Betrieb. Selbst in der Freizeit waren wir dem Heim sehr nahe.

Rolf: Die Grenze zwischen Beruf und Privatleben war oft nicht einfach zu ziehen. Gegenseitige Toleranz und Respekt waren sicher entscheidend dafĂĽr, dass wir 26 Jahre gemeinsam im gleichen Betrieb arbeiten konnten.

Esther: Schliesslich besprachen wir die Situation mit der Heimkommission. Wir stiessen auf Verständnis und konnten später extern wohnen. Der Umzug nach Köniz war sehr entlastend. Der Weg zur Arbeit – und abends wieder nach Hause – schuf eine gesunde Distanz.

2012 traten Sie Ihren wohlverdienten Ruhestand an. Wie war dieser Moment des Abschieds?
Rolf: Für mich war die Pensionierung eine wohltuende Entlastung. Die letzten Jahre waren durch Veränderungen und Umstrukturierungen geprägt, die ich als anspruchsvoll erlebte. Die damals häufig wechselnden Ideen und Vorstellungen zur Weiterentwicklung des Hauses belasteten mich sehr. So freute ich mich zunehmend auf die Pensionierung. Insgesamt blicke ich aber auf reiche Weyergut-Jahre zurück – und auf eine Zeit, in der das Aufhören für mich stimmig war.

Esther: Für mich waren die Monate vor der Pensionierung schwer. Der Abschied machte mir Angst, denn das Weyergut war ein sehr grosser Teil unseres Lebens. Das Fest zur Pensionierung war grossartig, mega schön!

Am 29. Februar 2012 packten wir unsere persönlichen Sachen, gaben die Schlüssel zurück und fuhren ruhig nach Hause. Wenige Monate später spürte ich, dass ich bald im Weyergut in die freiwillige Mitarbeit einsteigen möchte. Seither beglücken und beschenken mich meine sonntäglichen Nachmittagseinsätze im Restaurant Weyergut. Die vielen Kontakte und Gespräche möchte ich nicht mehr missen.

Zum Schluss: Was wünschen Sie dem Weyergut Bethanien zum 50-jährigen Jubiläum – und all jenen Menschen, die heute hier leben, arbeiten oder sich engagieren?
Rolf: Ich wünsche der Stiftung Diakonie Bethanien, der Leitung und allen Mitarbeitenden viel Kraft, Ausdauer und Zuversicht. Mögen auch in Zukunft viele betagte Menschen im Weyergut ein Daheim finden, in dem sie gut aufgehoben, begleitet und betreut sind.

Esther: Ich wünsche den Bewohnenden, dass sie sich im Weyergut wohlfühlen können – mit ihrer eigenen Geschichte, ihrer Prägung und ihrer Eigenart. Es macht Menschen glücklich, wenn sie spüren: Ich darf so sein, wie ich bin. Das Weyergut ist mir schon sehr, sehr lieb. Ich erlebte hier mit Rolf eine so gute Zeit!

Wir danken Esther und Rolf Bayer herzlich für das Gespräch und für den persönlichen Rückblick auf ihre langjährige Leitung des Weyerguts. Ihre Erinnerungen zeigen eindrücklich, wie sehr sie das Haus geprägt, mitgetragen und weiterentwickelt haben – mit Verantwortung, Herz und einem feinen Gespür für die Menschen, die hier lebten und arbeiteten. So wird ein bedeutendes Kapitel der 50-jährigen Weyergut-Geschichte nochmals auf persönliche und lebendige Weise sichtbar.

Interview mit Weggefährten Ruedi Wuffli und Therese Seiler

Therese Seiler und Ruedi Wuffli haben das Weyergut Bethanien über Jahrzehnte begleitet und mitgetragen – als Freiwillige, als EMK-Mitglieder, als Angehörige und als Menschen, die dem Haus bis heute verbunden sind. Im Gespräch erzählen sie von den Anfangsjahren, vom besonderen Geist des Weyerguts, von Veränderungen in Pflege und Alltag und von Momenten, die ihnen unvergesslich geblieben sind.

Therese Seiler ist die Schwiegertochter von Emil Seiler, Anwohner und GrĂĽndungsmitglied der Stiftung Altersheim Weyergut. Sie war fast 40 Jahre lang als IDEM-Freiwillige im Weyergut engagiert.

Ruedi Wuffli und seine Frau Trudi sind seit 1972 Mitglieder der Evangelisch-methodistischen Kirche. Beide waren viele Jahre als IDEM-Freiwillige im Weyergut tätig. Ruedi erlebte das Haus auch als Gemeinde- und Chormitglied aus nächster Nähe mit; Trudi Wuffli arbeitete zeitweise in der Hauswirtschaft des Weyerguts.

Die Wurzeln des Weyerguts reichen bis ins Jahr 1915 zurück. Damals entsandte das Mutterhaus der Diakonie Bethanien in Zürich auf Anfrage der Methodistengemeinden Diakonissen nach Bern, um eine private Krankenpflege aufzubauen. Aus diesem Engagement entwickelte sich über die Jahre der Wunsch nach einem eigenen Altersheim für die Region. Als das Haus an der Alpenstrasse zu klein wurde, entstand Ende der 1960er-Jahre – angestossen durch den Anwohner Emil Seiler – die Idee eines neuen Altersheims auf dem Weyergut-Areal in Wabern.

Gemeinsam mit der Diakonie Bethanien, der Gemeinde Köniz und dem Kanton Bern wurde das Projekt verwirklicht. Am 1. Februar 1976 wurde das Altersheim Weyergut feierlich eröffnet – mit Platz für 80 Bewohnende und dem Weyergutsaal als kulturellem und geistlichem Herzstück. Zunächst waren es vor allem EMK-Mitglieder, die hier ihre letzten Lebensjahre verbrachten. Doch schon bald genoss das Weyergut in der Umgebung einen guten Ruf und öffnete sich auch für Menschen aus der Region.

Von Beginn an war das Weyergut damit mehr als ein Altersheim: ein religiös geprägtes, persönlich geführtes Haus, tief verankert in Kirche, Gemeinde und gelebter Beziehungskultur.

12.02.2026: Das Interview führte Pia Volkers, Oberstufenlehrerin und ehrenamtliche IDEM- Mitarbeiterin zur Deutschförderung im Weyergut Bethanien

Das Personal ging jährlich auf einen Ausflug. An diesem Tag übernahmen Freiwillige Aufgaben im Weyergut. Ruedi, du hast dich damals dafür gemeldet …
Ruedi: Genau. So habe ich eigentlich meinen Zugang zum Weyergut bekommen. In dieser Zeit lernte ich viele Mitarbeitende und Bewohnende kennen. Damals traten die Menschen oft schon mit 70 oder 75 Jahren ins Altersheim ein.

Erzählt uns ein weinig von den Anfängen, gab es Herausforderungen, wie war die Stimmung?
Ruedi: Mir ist von Anfang an die Beleuchtung aufgefallen. Es waren Kugellampen, die an den Wänden hingen. Schon als ich das erste Mal mit meiner Frau durchs Heim ging, sagte ich zu ihr: «Es wird nicht lange dauern, bis keine Kugeln mehr an der Wand sind.» Und genau so kam es. Bereits die ersten Bewohnenden liefen dagegen. Die Beleuchtung musste also schon bald angepasst werden.

Therese: Viele kannten sich von der Gemeinde, vom Singen oder von der Mission. Man traf sich zum Beispiel im Garten. Es gab auch einen Vitaparcours. Damals lebten vor allem Frauen im Weyergut; ich erinnere mich, dass es deutlich weniger Männer waren.

Ruedi: Als Familie liebten wir das öffentliche Hallenbad im Weyergut. Für uns – besonders für unseren Sohn – war das ein Highlight. Viele Menschen aus der Umgebung merkten bald, dass man hier gegen ein kleines Entgelt baden konnte. Manchmal kamen die Bewohnenden als Zuschauende an die Fenster des Hallenbades und freuten sich am heiteren Treiben. Leider musste das Bad später schliessen, als gesetzlich eine Badeaufsicht vorgeschrieben wurde. Das wäre schlicht zu teuer geworden.

Was unterschied das Weyergut damals von anderen Heimen in der Umgebung?
Therese: Was das Weyergut von anderen Heimen unterschied, war sicher sein Ursprung und die starke Verbindung zur Evangelisch-methodistischen Kirche. Das Haus war nicht einfach eine Institution, sondern aus einem kirchlich und gemeinnĂĽtzig getragenen Anliegen heraus entstanden. Auch Menschen, die noch nicht im Heim lebten, fĂĽhlten sich mit dem Weyergut verbunden und interessierten sich fĂĽr seine Entwicklung.

Ruedi: Besonders war auch, dass die Kirche im Alltag sichtbar und präsent blieb. Die Gottesdienste wurden nicht nur von Bewohnenden besucht, sondern auch von Nachbarinnen und Nachbarn aus der Umgebung. Viele wussten: Am Sonntagmorgen kann man ins Weyergut kommen. Diese Offenheit ins Quartier hinein prägte das Haus stark. So entstand eine besondere Mischung aus Heim, kirchlichem Begegnungsort und sozialer Institution. Im Vergleich zu anderen Heimen war das Weyergut dadurch persönlicher, stärker in der Gemeinde verankert und von Anfang an von einem gemeinschaftlichen Geist getragen.

In 50 Jahren Weyergut hat sich vieles verändert. Was ist euch besonders aufgefallen – in der Pflege, in der Zusammenarbeit oder im Alltag?
Therese: Ich habe das Weyergut immer mit grossem Interesse begleitet und vieles gerne mitverfolgt und unterstützt. Besonders aufgefallen ist mir, dass die Menschen früher deutlich jünger ins Altersheim eintraten. Im Verlauf der Jahre hat sich das stark verändert. Heute kommen viele erst in höherem Alter und mit deutlich grösserem Pflegebedarf ins Heim. Auch Demenzerkrankungen rückten stärker in den Fokus.

Das Weyergut war ursprünglich nicht für diese Entwicklung gebaut worden. Es war ein Altersheim – kein Pflegeheim im heutigen Sinn. Wenn Bewohnende früher mehr Pflege brauchten, mussten sie oft ins Spital verlegt werden. Mit der Zeit entstanden deshalb neue Strukturen im Haus, unter anderem eine geschützte Demenzabteilung und mehr pflegerische Angebote direkt vor Ort.

Durch meine Schwiegermutter habe ich diese Entwicklung auch persönlich miterlebt. Sie kam mit 75 Jahren als Pensionärin ins Weyergut, lebte sieben Jahre hier und starb 1992. Dadurch kann ich gut nachempfinden, wie das Leben im Weyergut damals war.

Ruedi: Auch die kantonalen Vorgaben haben den Alltag stark verändert. In der Pflege wurde vieles verbindlicher, geregelter und administrativ anspruchsvoller. Diese Veränderungen habe ich besonders wahrgenommen, weil ich immer wieder angefragt wurde, bei personellen Engpässen auszuhelfen. Meine Frau arbeitete zudem in der Wäscherei. Dadurch blieben wir beide nahe am Alltag des Hauses und bekamen viel mit.

So konnten wir miterleben, wie stark sich Anforderungen, Pflegebedarf und Rahmenbedingungen über die Jahre verändert haben. Auch die Übernahme durch die Diakonie Bethanien bedeutete aus meiner Sicht einen spürbaren Einschnitt. Einige Abläufe gingen fortan stärker über Zürich, was bei vielen Methodisten in Bern Fragen auslöste. Früher war die Zusammenarbeit mit der Kirche enger und unmittelbarer. Heute ist die Verantwortung anders organisiert – auch das hat das Weyergut verändert.

Gab es weitere Entwicklungen, die fĂĽr euch einen Wendepunkt bedeuteten?
Therese: Ein grosser Wandel zeigt sich sicher in den Räumen. Die Zimmer sind heute grösser, und die Ansprüche haben sich verändert. Vor 50 Jahren ging es auch darum, möglichst vielen Menschen einen Platz zu bieten. Heute wünschen sich die Menschen mehr Raum, mehr Privatsphäre und selbstverständlich auch eigene Nasszellen mit Dusche. Das Bedürfnis nach Komfort, Hygiene und Rückzug ist deutlich gewachsen.

Ruedi: Was im Weyergut immer besonders geschätzt wurde: Die Bewohnenden konnten viele eigene Möbel mitbringen. Das war damals nicht in allen Heimen üblich. Ein Lieblingsbuffet, ein vertrauter Stuhl oder ein eigener Tisch machten viel aus. So entstand nicht einfach ein Zimmer, sondern ein Stück Zuhause. Das habe ich auch bei meiner Schwiegermutter erlebt. Sie brauchte sehr schnell einen Platz im Weyergut. Während sie noch im Spital war, richteten wir ihr Zimmer mit vertrauten Möbeln ein. Als sie später ins Zimmer kam, sagte sie: «Das ist ja wie zu Hause.» Dieser Satz hat mich sehr berührt. Er zeigt, wie wichtig vertraute Dinge sind – gerade dann, wenn ein Mensch in einen neuen Lebensabschnitt eintritt.

Therese: Das Weyergut sollte nicht einfach ein Heim sein, sondern ein Daheim. Ich glaube, genau das machte es aus – und macht es bis heute aus. Dass das Weyergut diesen Gedanken nun mit dem Leitsatz «Wir sind Ihr Daheim» aufgreift, bringt diese Haltung sehr schön auf den Punkt.

Gibt es Menschen oder Momente, an die ihr euch besonders gerne erinnern?
Therese: Ich erinnere mich sehr gerne an die Personalausflüge, bei denen ich mithelfen durfte. Für mich war das jedes Mal streng, aber auch sehr erfüllend. Man hatte an solchen Tagen nochmals anders Zeit für die Bewohnenden – konnte mit ihnen spielen, sich zu ihnen setzen, mit ihnen sprechen oder einfach da sein. Nach dem Tod meines Mannes begann ich regelmässig in der Ergotherapie mitzuhelfen. Ich nahm jeweils meinen jungen Hund mit, was den Bewohnenden unglaublich viel Freude machte. Für mich war das eine sehr wertvolle Zeit: wieder ins Weyergut zurückzukehren, etwas beitragen zu können und etwas Sinnvolles zu tun.

Ruedi: In diesem Zusammenhang muss man auch an Esther und Rolf Bayer denken. Sie haben das Weyergut mit grosser Verantwortung, viel Herz und einem feinen Gespür für Menschen geprägt. Gerade diese Nähe war etwas Besonderes am Weyergut. Viele Beziehungen waren über Jahre gewachsen – durch die Kirche, durch das Quartier oder durch frühere Begegnungen.

Therese: Ich denke besonders gerne an die Weihnachtsfeiern im Weyergut zurück. Sie waren jedes Jahr sehr eindrücklich und liebevoll gestaltet. Auch wir durften als Teil der Heimkommission oder des Stiftungsrats daran teilnehmen und fühlten uns als Teil der grossen Weyergut-Gemeinschaft. Die Feier begann jeweils in der Kapelle, oft begleitet vom Chörli, mit Gottesdienst und Weihnachtsbaum. Danach ging es in den festlich gedeckten Speisesaal. Man spürte, wie viel Herzblut Esther und Rolf Bayer in diese Anlässe legten – für die Bewohnenden, die Angehörigen, die Mitarbeitenden und die Gremien. Es war einfach Weihnachten. Einfach der weihnachtliche Zauber. Das ist unvergesslich.

Ruedi: Für mich bleibt der Samichlaus-Tag unvergesslich. Esther und Rolf Bayer machten daraus jedes Jahr etwas Besonderes. Die Bewohnenden wurden so in der Cafeteria platziert, dass alle gut sehen konnten, wenn ich als Samichlaus mit dem Esel vom Tierpark Bern hereinkam. Das war für die Bewohnenden ein grosses Erlebnis – und für mich auch. Mit dem Esel gab es einmal eine Anekdote, die im Haus noch lange weitererzählt wurde. Der Esel Aschi wurde jeweils von Mitarbeitenden des Tierparks begleitet. Doch an einem Samichlaus-Tag merkte ich plötzlich: Jetzt wird es heikel. Ich habe direkt gehört, da kommt etwas raus. Und der Esel hat sich ein wenig umgeschaut, dann hat er sich gedreht, den Schwanz gehoben und war mit dem «Füdli» gerade schön über dem Schoss einer Bewohnerin. Und dann macht er Bumm! Seine ganzen Mistkugeln sind der guten Frau auf den Schoss gefallen.

Im ersten Moment war mir das natĂĽrlich furchtbar peinlich. Esther Bayer reagierte sofort, holte Schaufel und Lappen, und der Tierpark entschuldigte sich. Die Situation liess mich aber nicht los. Deshalb schrieb ich später im Namen von Esel Aschi einen Entschuldigungsbrief zu Weihnachten. Dieser Brief bereitete vielen grosse Freude und wurde sogar in der Weyergut-Chronik der Autorin und Weyergut-Bewohnerin Monika Schärer abgedruckt. So wurde aus einem peinlichen Moment am Ende doch eine Geschichte, ĂĽber die man im Weyergut noch lange schmunzelte.Theres: Ich denke besonders gerne an die Weihnachtsfeiern im Weyergut zurĂĽck. Sie waren jedes Jahr sehr eindrĂĽcklich und liebevoll gestaltet. Auch wir durften als Teil der Heimkommission oder des Stiftungsrats daran teilnehmen und fĂĽhlten uns als Teil der grossen Weyergut-Gemeinschaft. Die Feier begann jeweils in der Kapelle, oft begleitet vom Chörli, mit Gottesdienst und Weihnachtsbaum. Danach ging es in den festlich gedeckten Speisesaal. Man spĂĽrte, wie viel Herzblut Esther und Rolf Bayer in diese Anlässe legten – fĂĽr die Bewohnenden, die Angehörigen, die Mitarbeitenden und die Gremien. Es war einfach Weihnachten. Einfach der weihnachtliche Zauber. Das ist unvergesslich.

Ruedi: Für mich bleibt der Samichlaus-Tag unvergesslich. Esther und Rolf Bayer machten daraus jedes Jahr etwas Besonderes. Die Bewohnenden wurden so in der Cafeteria platziert, dass alle gut sehen konnten, wenn ich als Samichlaus mit dem Esel vom Tierpark Bern hereinkam. Das war für die Bewohnenden ein grosses Erlebnis – und für mich auch. Mit dem Esel gab es einmal eine Anekdote, die im Haus noch lange weitererzählt wurde. Der Esel Aschi wurde jeweils von Mitarbeitenden des Tierparks begleitet. Doch an einem Samichlaus-Tag merkte ich plötzlich: Jetzt wird es heikel. Ich habe direkt gehört, da kommt etwas raus. Und der Esel hat sich ein wenig umgeschaut, dann hat er sich gedreht, den Schwanz gehoben und war mit dem «Füdli» gerade schön über dem Schoss einer Bewohnerin. Und dann macht er Bumm! Seine ganzen Mistkugeln sind der guten Frau auf den Schoss gefallen.

Im ersten Moment war mir das natĂĽrlich furchtbar peinlich. Esther Bayer reagierte sofort, holte Schaufel und Lappen, und der Tierpark entschuldigte sich. Die Situation liess mich aber nicht los. Deshalb schrieb ich später im Namen von Esel Aschi einen Entschuldigungsbrief zu Weihnachten. Dieser Brief bereitete vielen grosse Freude und wurde sogar in der Weyergut-Chronik der Autorin und Weyergut-Bewohnerin Monika Schärer abgedruckt. So wurde aus einem peinlichen Moment am Ende doch eine Geschichte, ĂĽber die man im Weyergut noch lange schmunzelte.

Wir danken Therese Seiler und Ruedi Wuffli herzlich für das Gespräch und allen ehemaligen Mitarbeitenden, Freiwilligen und Weyergut-Verbundenen für ihre Geschichten und Erinnerungen. Sie lassen die 50-jährige Geschichte des Weyerguts auf persönliche und lebendige Weise nochmals aufleben.

Interview mit Bendicht Wagner

„Das Weyergut-Areal sollte nie einfach verbaut werden“

1828 kaufte der Bauer Bendicht Schneider das Weyergut von der Zunftgesellschaft zum Affen und bis heute befindet sich das nicht überbaute Land sowie die im historischen Stil renovierten Stöckli und Spycher unmittelbar neben dem Altersheim im Besitz der Familie. Im Gespräch erzählt der Enkel von Ernst Wagner, PD Dr. med. Bendicht Wagner, weshalb sich seine Grosseltern einst für den Verkauf eines Teils des Landes an das heutige Weyergut Bethanien entschieden, warum dabei weit mehr als wirtschaftliche Fragen diskutiert wurden – und weshalb ihn das 50-Jahr-Jubiläum besonders berührt.

29.04.2026: Das Interview führte Pia Volkers, Oberstufenlehrerin und ehrenamtliche IDEM-Mitarbeiterin zur Deutschförderung im Weyergut Bethanien.

Herr Bendicht Wagner, wie kam es überhaupt dazu, dass Ihre Familie mit den späteren Käufern des Landes ins Gespräch kam?

Ganz genau weiss ich das heute nicht mehr. Eine wichtige Rolle spielte aber Emil Seiler, der sich stark für die Entstehung des Altersheims engagierte. Er kannte meine Grosseltern persönlich. Ich vermute, dass dabei auch gemeinsame christliche und soziale Werte eine Rolle spielten. Meine Grossmutter war in Wabern sehr engagiert. Damals hatte die Kirche eine ganz andere Bedeutung als heute. Es gab noch keine AHV, keine Krankenkassen und kaum soziale Absicherung. Viele ältere Menschen waren auf Unterstützung angewiesen – und die Kirchen übernahmen dabei eine wichtige Aufgabe.

Ich glaube, genau dieses Verständnis von Verantwortung gegenüber anderen Menschen war entscheidend dafür, dass sich meine Grosseltern überhaupt auf die Gespräche einliessen. Der Gedanke, dass die Kirche eine soziale Einrichtung betreiben und mittragen würde, entsprach damals einem tief verankerten gesellschaftlichen Verständnis von Verantwortung.

Das Areal war Ihrer Familie also sehr wichtig?
Ja, sehr. Das darf man nicht unterschätzen. Das Anwesen gehörte damals der Erbengemeinschaft meines Grossvaters und seines Bruders. Für die Familie war dieser Ort emotional enorm bedeutend. Über viele Jahre gab es immer wieder Überbauungspläne der Gemeinde. Die Familie lehnte diese aber ab, weil die Projekte aus ihrer Sicht zu massiv gewesen wären und den Charakter des Ortes zerstört hätten. Sie kämpften jahrelang gegen solche Vorhaben und setzten 1975 schliesslich sogar einen Baustopp durch. Man wollte das Ortsbild und die historischen Gebäude erhalten. Dass ausgerechnet für ein Altersheim eine Ausnahme gemacht wurde, hatte viel mit den sozialen und christlichen Werten meiner Grossmutter zu tun. Sie setzte sich stark dafür ein.

Hatte Ihre Familie beim Verkauf Bedingungen?
Ja, sehr klare sogar. Die Familie wollte unbedingt verhindern, dass das Areal einfach «verbaut» wird. Es gab damals intensive Diskussionen über die Platzierung und Grösse des Gebäudes. Der Architekt hätte das Altersheim ursprünglich lieber näher beim Bauernhaus gebaut. Meine Familie fand aber, dass dadurch der Charakter des Orts verloren gegangen wäre. Deshalb bestand sie darauf, dass das Gebäude weiter Richtung Mohnstrasse rückt, gewisse Abstände eingehalten werden und die Bauhöhe beschränkt bleibt.

Bemerkenswert ist: Das geschah lange bevor Denkmalschutz ĂĽberhaupt ein Thema war.
Genau. Das finde ich heute besonders beeindruckend. Damals stand das Anwesen noch gar nicht unter Schutz. Trotzdem hatten meine Grosseltern bereits das Bewusstsein, dass dieser Ort erhalten bleiben sollte. Sie handelten also nicht, weil es Vorschriften gab, sondern aus eigener Ăśberzeugung. Wenn man heute sieht, wie sich das Alters- und Pflegeheim ins Quartier einfĂĽgt, hat sich diese Sorgfalt definitiv gelohnt.

Wie liefen die Verhandlungen damals ab?
Sehr intensiv. Es ging nicht nur um technische oder finanzielle Fragen. In den Unterlagen sieht man, dass man sich ausführlich über Werte, Verantwortung und gesellschaftliche Fragen austauschte. Es wurden lange Briefe geschrieben, Argumente formuliert und sogar philosophische sowie religiöse Überlegungen diskutiert. Das berührt mich heute noch. Man nahm sich damals wirklich Zeit, gemeinsam herauszufinden, was an diesem Ort sinnvoll und richtig ist.

Welche Nutzung hatte das Land ursprĂĽnglich?
Das Land wurde ursprünglich landwirtschaftlich genutzt. Mein Grossvater und seine Familie sind hier als Bauern aufgewachsen. Sie lebten im «Stöckli», zusätzlich bewirtschaftete ein Pächter den Betrieb mit. Er und seine Generationhatten beide Weltkriege erlebt. Dadurch war das Bewusstsein stark geprägt, dass Land und Landwirtschaft Sicherheit bedeuten – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch für die Versorgung und Unabhängigkeit einer Familie.

Sein Onkel war zudem über viele Jahre Gemeinderat und Gemeindepräsident von Köniz. Verantwortung für das Land und ein sorgfältiger Umgang damit waren deshalb selbstverständlich. Das Gebiet wurde über Jahrzehnte hinweg sehr behutsam entwickelt – immer mit der Überlegung, wie sich Veränderungen sinnvoll mit dem bestehenden Ort vereinbaren lassen.

Wie haben Sie die Schritte nach dem Verkauf wahrgenommen – zum Beispiel die Planung, den Bau oder die ersten Aktivitäten?
Ich war damals noch ein Bube. Aber so wie ich das heute wahrnehme und auch in den Unterlagen nachlesen kann, wurde nach der Unterzeichnung des Verkaufsvertrags sehr sorgfältig und professionell gearbeitet. Man diskutierte viele Details – etwa die Zufahrtsstrasse, die Kanalisation oder die Frage, welcher Spielraum für spätere bauliche Veränderungen bestehen soll. Rückblickend beeindruckt mich, wie weitsichtig damals geplant wurde.

Zwischen dem Altersheim und unserer Familie gab es über Jahrzehnte praktisch nie Konflikte. Mein Vater erwähnte zwar einmal ein Projekt, bei dem die vorgesehene Bauhöhe zu hoch gewesen wäre. Das wurde aber rasch geklärt und blieb eigentlich der einzige grössere Diskussionspunkt. Wenn ich heute auf die Entwicklung schaue, empfinde ich sie als sehr fruchtbare und sinnvolle Ergänzung.

Was hat Sie an der Entwicklung des Projekts besonders ĂĽberrascht?
Ich habe den Eindruck, dass sich das Weyergut enorm entwickelt hat. Es hat über die Jahre einen sehr professionellen Platz eingenommen und erfüllt heute eine wichtige Funktion in der Gemeinde. Beeindruckend finde ich auch, dass sich die Stiftung Diakonie Bethanien nicht nur hier engagiert, sondern auch in anderen sozialen Bereichen Verantwortung übernimmt. Dass gerade in Wabern über Jahrzehnte hinweg so langfristig gedacht und entwickelt wurde, empfinde ich als etwas sehr Besonderes – und in dieser Form fast einmalig.

Was bedeutet Ihnen das 50-Jahr-Jubiläum persönlich?
Für mich ist dieses Jubiläum sehr speziell. Meine Mutter war damals bei den Gesprächen rund um den Verkauf dabei und hat innerhalb der Familie mitdiskutiert. Sie wohnte während diesen 50 Jahren direkt nebenan. Und heute lebt meine Mutter selbst im Alters- und Pflegeheim – an jenem Ort, dessen Entstehung sie damals miterlebt hat. Von ihrem Zimmer aus sieht sie sogar noch ihr ehemaliges Zuhause. Dass sich dieser Kreis genau im Jubiläumsjahr schliesst, berührt mich sehr.

Was wĂĽnschen Sie der Institution und den Menschen, die sie bis heute weitergefĂĽhrt haben, fĂĽr die Zukunft?
Ich habe schon den Eindruck, dass es wertvoll ist, dass im sozialen Bereich auch private Trägerschaften, Institutionen und Kirchen Verantwortung übernehmen. Gerade solche Engagements erfüllen eine wichtige Funktion in unserer Gesellschaft. Vielleicht funktioniert manches sogar besser, wenn es nicht ausschliesslich staatlich organisiert ist.

Ich wünsche mir deshalb, dass die Kraft weiterhin da ist – für die Menschen, die diesen Weg gewählt haben und diesen Ort auch in Zukunft mittragen und weiterführen.

Das Gespräch mit Herrn Wagner zeigt: Hinter der Entstehung des heutigen Weyergut Bethanien stand weit mehr als ein gewöhnliches Bauprojekt. Es waren Menschen, die Verantwortung übernehmen wollten – für andere Menschen, für das Ortsbild und für kommende Generationen. Genau das scheint bis heute spürbar geblieben zu sein.

Interview mit Physiotherapeutin Annica Larsson

Seit über zwölf Jahren begleitet die diplomierte Physiotherapeutin Annica Larsson mit ihrem Team die Bewohnenden des Weyergut Bethanien. Zudem führt sie ihre eigene Physiotherapiepraxis. Im Interview spricht sie über die Freude an der Bewegung, die besondere Zusammenarbeit im Haus und darüber, weshalb sie sich im Weyergut bis heute wie in einer grossen Familie fühlt.

10.05.2026: Das Interview fĂĽhrte JĂĽrg Schmid, Leiter Administration Weyergut Bethanien. JĂĽrg Schmid kennt
Frau Larsson seit vielen Jahren und ist deshalb mit ihr per Du.

Annica, erinnerst du dich noch an deine ersten Einsätze im Weyergut?
Ja, sehr gut sogar. Was mir bis heute geblieben ist, ist die herzliche Art, wie ich und meine Mitarbeitenden hier empfangen wurden. Ich fühlte mich sofort willkommen und wertgeschätzt. Dieses Gefühl hat sich über all die Jahre gehalten. Manchmal kommt es mir vor wie eine grosse Familie – und genau das gefällt mir so gut.

Wie kam es eigentlich dazu, dass du die physiotherapeutische Betreuung im Weyergut ĂĽbernommen hast?
Meine Mama fĂĽhrte viele Jahre unsere Physiotherapiepraxis Larsson in BĂĽmpliz. Schon damals betreute die Praxis verschiedene Altersheime. Sie fragte eines Tages nach, ob im Weyergut eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut gebraucht werde. So ist dann das Ganze ins Rollen gekommen. Ich darf ich hier eine Arbeit weiterfĂĽhren, die bereits eine Generation vor mir begonnen hat.

Warum bist du über all die Jahre bei uns geblieben – sogar während der Umbauzeit in Grosshöchstetten?
Wir verbringen einen grossen Teil unseres Lebens bei der Arbeit. Deshalb ist es mir wichtig, in einem Umfeld tätig zu sein, das gut organisiert ist und in dem man sich gleichzeitig respektvoll und wohlwollend begegnet. Genau das erlebe ich hier. Dieses Miteinander macht die Zusammenarbeit für mich und mein Team besonders schön.

Wie wĂĽrdest du die Zusammenarbeit mit den Bewohnenden und dem Team beschreiben?
Ich empfinde den Austausch mit den Bewohnenden, der Pflege und dem gesamten Team als sehr intensiv und bereichernd. Was fĂĽr mich in der Arbeit mit euch heraussticht, ist die Zeit, die man sich fĂĽr jeden einzelnen Menschen nimmt. Wenn eine Bewohnerin oder ein Bewohner ein Anliegen hat, nehme ich das oft mit und leite es an die Pflege weiter. Dabei verstehe ich mich nicht nur als Physiotherapeutin, sondern auch als Ansprechperson.

Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Informationen fliessen, die Familien werden einbezogen. Ihr an der Rezeption koordiniert und strukturiert unglaublich viel im Hintergrund. Das ist fĂĽr mich ein wichtiger Faktor, damit die Arbeit als Physiotherapeutin im Altersheim ĂĽberhaupt so gut funktionieren kann.

Was ist aus deiner Sicht in der physiotherapeutischen Arbeit mit älteren Menschen besonders wichtig?
Zuoberst steht sicher die Freude an der Bewegung. Und diese Freude kann man in jedem Alter neu entdecken. Ich versuche in meinen Therapien, die älteren Menschen anzuleiten und sie zu instruieren, dass Bewegung nicht schmerzhaft sein muss, sondern Freude bereiten darf. Bewegung wirkt nicht nur auf Muskeln und Gelenke. Sie löst im Körper viele positive Prozesse aus – auch hormonell – und kann sich dadurch auf das Wohlbefinden und die Stimmung auswirken.

Welche Fortschritte bereiten dir im Alltag am meisten Freude?
Oft sind es die kleinen Momente. Natürlich freue ich mich auch über therapeutische Fortschritte. Am meisten berührt es mich aber, wenn mir am Ende einer Therapie jemand ins Gesicht schaut, lächelt und sagt: «Frau Larsson, vielen Dank. Das hat mir jetzt richtig gutgetan.»

Was schätzt du besonders am Weyergut Bethanien?
Ich könnte mir vorstellen, selbst einmal hier zu wohnen. Jeder Mensch wird als Individuum wahrgenommen. Es ist keine «Massenabfertigung», sondern eine familiäre Atmosphäre. Es wird unglaublich viel für die Bewohnenden gemacht – sei es im Alltag oder bei besonderen Anlässen und Konzerten. Ich finde es superschön, dass die Menschen auf diese Weise teilhaben können.

Gibt es aus den vergangenen zwölf Jahren etwas, worauf du besonders stolz bist?
Sicher, dass wir immer noch hierherkommen dürfen. Das ist mein grösster Stolz. Es ist eine langfristige Sache und ich hoffe fest, dass das weiterhin so bleibt. Wenn Herausforderungen auftreten – sei es organisatorisch oder im Umgang mit einzelnen Situationen – suchen wir gemeinsam nach Lösungen.

Was möchtest du den Bewohnenden, den Mitarbeitenden und den Leserinnen und Lesern mit auf den Weg geben?
Die Lebenserfahrung älterer Menschen ist ein grosser Schatz. Wenn wir ihnen zuhören und ihnen mit Respekt begegnen, erkennen wir oft erst, was das Leben alles bereithält.
Ich bin überzeugt, dass Zusammenarbeit dort am besten gelingt, wo Generationen voneinander lernen und einander mit Wertschätzung begegnen.

Seit vielen Jahren dürfen wir auf die Unterstützung von Annica Larsson und ihrem Team zählen. Die offene Zusammenarbeit, das gegenseitige Vertrauen und ihr Einsatz für die Bewohnenden schätzen wir sehr. Dafür danken wir ihr herzlich und freuen uns auf die weitere gemeinsame Zusammenarbeit.

Ein Ort voller Erinnerungen – dem Weyergut Bethanien verbunden

Das Weyergut Bethanien ist für viele Menschen ein Ort voller Erinnerungen, Begegnungen und persönlicher Geschichten. Heidi Streiff, eine ehemalige Mitarbeiterin erzählt, wie sie das Haus schon 1979 kennenlernte, viele Jahre später zurückkehrte und ihm bis heute verbunden geblieben ist.

Hier blickt sie auf ihren Weg im und mit dem Weyergut Bethanien zurĂĽck
Es ist das Jahr 1979. Ich bin 27 Jahre alt, frisch verheiratet und Kindergärtnerin mit einigen Jahren Berufserfahrung im Kanton Zürich. Für die kommenden Jahre zieht es uns nach Bern, und so suche ich dort eine Arbeitsstelle. Doch die Berner wollen keine Zürcherin, die ihren Kindern den Berner Dialekt „verdirbt“.

Also halte ich Ausschau nach einer anderen beruflichen Möglichkeit – und werde fündig: Im Alters- und Pflegeheim Weyergut Bethanien in Wabern bei Bern erhalte ich eine Anstellung als Haustochter. Stolz halte ich meinen mit der Schreibmaschine aufgesetzten Arbeitsvertrag in den Händen. Meine Arbeitsgebiete sind vielfältig: Ich arbeite in der Waschküche beim „Mangeln“, im Service und im Putzdienst. Gerade dort erlebe ich manch lustige Situation. Bei einem freundlichen, sehr gesprächigen Herrn bin ich am Putzen, als er plötzlich sagt: „Weisst du, es wäre schön, wenn du das ganze Jahr hier arbeiten würdest und nicht nur in den Schulferien!“ (Mein Aussehen war damals tatsächlich noch sehr mädchenhaft).

Im Heim wird irgendwann bekannt, dass mein Mann – mit frisch abgeschlossenem Theologiestudium – hin und wieder Predigtdienst hat in der Kapelle nebenan. Eines Tages höre ich ein Gespräch einiger Bewohnerinnen mit, das mich bis heute schmunzeln lässt. Sie sitzen im Vorraum, während ich ihre Zimmer reinige, die Zimmertüre steht offen. Ich bin gerade damit beschäftigt, eine WC-Schüssel sauber zu bekommen, als eine Frau hörbar stolz sagt: „Wisst ihr, die Frau Pfarrer ist bei mir am Putzen!“. Nach gut einem Jahr kündige ich meine Stelle, da unser erstes Kind zur Welt kommt. Ich gehe mit vielen wertvollen Erfahrungen – und mit grosser Dankbarkeit für alles Erlebte.

Viele Jahre später führt mich mein Weg erneut ins Weyergut, diesmal als Quereinsteigerin im Team der Aktivierung, heute Alltagsgestaltung. Sieben Jahre lang arbeite ich dort bis zu meiner Pensionierung.

Ganz los lässt mich das Weyergut jedoch nicht: Auch nach meiner Pensionierung bin ich als freiwillige Mitarbeiterin im IDEM-Team tätig – vor allem in der Cafeteria, aber immer wieder auch mit grosser Freude in der Alltagsgestaltung.

IDEM – im Dienste eines Mitmenschen
Im Weyergut Bethanien leisten freiwillige Mitarbeiter:innen einen wertvollen Beitrag zum Miteinander im Haus. Unter dem Namen IDEM – im Dienste eines Mitmenschen schenken sie unseren Bewohnerinnen und Bewohnern Zeit, Aufmerksamkeit und Unterstützung – bei Gesprächen, Spaziergängen, Veranstaltungen, im Restaurant und in vielen weiteren Begegnungen des Alltags.

So entstehen wertvolle Momente, die den Alltag bereichern und unsere offene, lebendige Atmosphäre mitprägen. Freiwillige werden bei uns sorgfältig eingeführt und begleitet.

Haben Sie Interesse an einer freiwilligen Mitarbeit? Dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

Biodiversität: Das Weyergut schafft Lebensräume

Biodiversität im Weyergut Bethanien
Biodiversität ist mehr als ein Schlagwort – sie bildet die Grundlage stabiler Ă–kosysteme, auch im Siedlungsraum. Dass selbst kleinere GrĂĽnflächen einen wertvollen Beitrag leisten können, zeigen auch Erkenntnisse der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz: Entscheidend sind nicht nur grosse Naturschutzgebiete, sondern vor allem vernetzte, vielfältige Lebensräume – genau hier setzt das Weyergut Bethanien an.

Vielfalt direkt vor der HaustĂĽr
Im Mai 2024 trafen sich 25 Interessierte gemeinsam mit dem Umweltforum Köniz und Pro Natura Bern, um die Natur rund um das Alters- und Pflegeheim Weyergut Bethanien genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei wurde sichtbar, wie viel bereits vorhanden ist – oft auf den zweiten Blick.

Ein Beispiel ist die Wiese im östlichen Teil des Areals: Sie wird bewusst nur einmal jährlich gemäht. Was zunächst «unordentlich» wirkt, ist ökologisch wertvoll. Wildblumen können aussamen, Insekten finden Nahrung, und Kleintiere erhalten Schutzräume. Studien zeigen, dass naturnah gepflegte Wiesen zu den artenreichsten Lebensräumen Europas gehören.

Kleine Strukturen, grosse Wirkung
Biodiversität entsteht oft im Detail. Asthaufen, Steinhaufen oder unaufgeräumte Ecken sind im Weyergut Bethanien keine Zufälle – sondern gezielte Lebensräume.

  • Asthaufen bieten Unterschlupf fĂĽr Blindschleichen, Wiesel, Spinnen und Insekten
  • Steinhaufen werden von Käfern und Spinnen besiedelt
  • Dichte Strukturen helfen Vögeln wie dem Zaunkönig beim Nisten

Solche Mikrohabitate gelten laut aktuellen ökologischen Erkenntnissen als entscheidend für die Artenvielfalt – gerade in urban geprägten Räumen.

Ein Zuhause für gefiederte Gäste
Auch für Vögel wurde mitgedacht: Unterschiedliche Nisthilfen mit variierenden Lochgrössen schaffen gezielt Lebensraum für verschiedene Arten wie Stare, Kohlmeisen, Kleiber, Spatzen oder Blaumeisen. Ergänzt werden sie durch sogenannte Rindentaschen – ein ideales Zuhause für Baumläufer.

Diese Nisthilfen erfüllen gleich mehrere Funktionen: Sie bieten Schutz während der Brutzeit und dienen bei schlechtem Wetter als Rückzugsort.

Summen, Krabbeln, Bestäuben
Insekten spielen eine Schlüsselrolle im Ökosystem – und doch sind viele Arten bedroht. Im Weyergut Bethanien wurde deshalb ein Wildbienenhaus geschaffen. Es bietet nicht nur Wildbienen, sondern auch Marienkäfern, Ohrwürmern sowie weiteren Insekten und Spinnen einen geeigneten Lebensraum.

Gerade Wildbienen sind für die Bestäubung unverzichtbar. Laut dem Bundesamt für Umwelt sind rund ein Drittel unserer Nahrungsmittel direkt oder indirekt von Bestäubern abhängig.

Der Weiher kehrt zurĂĽck
Der Anlass im Mai 2024 gab zudem den Anstoss für ein weiteres Projekt. Dabei wurde ein beinahe verschwundener Weiher auf dem Gelände entdeckt. Schnell war klar: Zum Weyergut gehört ein „Weyer“ (Newseitrag)

Dank dem Engagement unserer Bewohnerin Frau Schärer, der Heimleitung sowie der Unterstützung des Umweltforums Köniz und weiterer Beteiligter wurde das Projekt umgesetzt. Die Grube wurde freigelegt, neu foliert und mit Kies befestigt. Mit dem Regen füllte sich der Weiher wieder.

Solche Kleingewässer zählen zu den artenreichsten Lebensräumen überhaupt. Sie bieten Amphibien, Insekten und Pflanzen ideale Bedingungen – und schaffen gleichzeitig einen Ort der Ruhe und Beobachtung. So ist im Weyergut Bethanien Schritt für Schritt ein vielfältiger Lebensraum entstanden – für Tiere, Pflanzen und die Menschen, die hier leben und arbeiten.

Biodiversität ist Teil unseres Alltags. Und vielleicht entstehen schon bald weitere kleine Oasen, die zum Entdecken, Beobachten und Staunen einladen.

WeiterfĂĽhrende Links:
Newsbeitrag: Das Weyergut erhält einen Weyer
Blogbeitrag: Einblicke in die Vielfalt der Natur
Interview mit Frau Monika Schärer: Chronik und Biodiversität
Natura: Die Biodiversität der Schweiz schwindet
Mission B: Gemeinsam für mehr Biodiversität
Akademie der Naturwissenschaft: Biodiversität verstehen und gestalten
Bundesamt für Umwelt: Biodiversität

Arbeiten im Weyergut Bethanien: Mit Herz seit 1976

Dieses Jahr feiern wir ein halbes Jahrhundert Weyergut Bethanien. Ein Ort des Lebens, der Begegnung und der FĂĽrsorge. Ebenso lange engagieren sich hier Menschen mit Herz und Fachkompetenz fĂĽr das Wohl unserer Bewohnenden.

Über 130 Mitarbeitende in 32 unterschiedlichen Funktionen bringen täglich ihre Stärken ein und machen das Weyergut Bethanien zu einem lebendigen Ort. Bei über 80 Bewohnenden braucht es viele helfende Hände, die ihre Arbeit mit Engagement, Empathie und Verantwortungsbewusstsein ausüben.

Neben der Pflege tragen zahlreiche weitere Bereiche zu einem gut funktionierenden Alltag bei: Das Küchenteam sorgt für das leibliche Wohl, die Verwaltung organisiert und empfängt, und die Aktivierung gestaltet die Tage unserer Bewohnenden abwechslungsreich und kreativ. Das Team der Hauswirtschaft schafft eine angenehme und gepflegte Umgebung, in der man sich zuhause fühlen kann. Und unser Betriebstechniker ist überall dort im Einsatz, wo Unterstützung gefragt ist. Zudem engagieren wir uns als Ausbildungsbetrieb und begleiten Lernende und Praktikanten auf ihrem beruflichen Weg.

Wir sind stolz darauf, dass unsere Mitarbeitenden bei uns die Möglichkeit haben, sich weiterzuentwickeln und ihren eigenen Weg zu gehen. Gleichzeitig schaffen wir einen Arbeitsplatz, der von Wertschätzung, Zusammenhalt und Sinn geprägt ist.

Als Ausbildungsbetrieb trägt das Weyergut Bethanien auch zur Weitergabe ihrer Werte bei und investiert in die Zukunft.